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Osram-Chef Berlien:Anzug, Krawatte - und viel Pathos

Dr. Olaf Berlien , Vorstandsvorsitzender, Chairman of the Managing Board (CEO), Einzelbild,angeschnittenes Einzelmotiv,

Das war vor der Übernahme durch AMS: Olaf Berlien bei der Hauptversammlung von Osram im Februar 2020 in München.

(Foto: Frank Hoermann/imago)

Der Osram-Chef ist nur noch wenige Tage im Amt - und bestreitet noch eine letzte Hauptversammlung. Über einen denkwürdigen Auftritt.

Von Thomas Fromm

Nur ein paar Tage, bevor er als Osram-Chef abtritt, steht Olaf Berlien nun wie ein Nachrichtenmoderator vor einem virtuellen Hintergrund und verabschiedet sich von allen. Aber zuerst muss er seinen Aktionären draußen vor den Bildschirmen erklären, wie diese Hauptversammlung heute funktioniert. "Wir werden immer kleine Pausen machen, damit Sie sich erfrischen können", sagt er. Dann: dieses verflixte Pandemiejahr. Er spricht über Corona und wie gut sein Unternehmen das alles gemanaged hat. Im Hintergrund werden diese roten Virenballons mit den fiesen Krönchen eingespielt, die man schon aus den Fernsehnachrichten kennt. Dazu kleine Piktogramme zum Mitarbeiterschutz.

Natürlich war 2020 für Osram ein hartes Jahr, klar, Corona. So gesehen war es aber für so ziemlich alle ein herausforderndes Jahr. Und was war sonst so? Ah ja, die Vier-Milliarden-Euro-Übernahme durch den kleineren Sensoren-Hersteller AMS aus der Steiermark im vergangenen Jahr. Ende eines Traditionsunternehmens, jetzt soll der Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag zügig ins Handelsregister eingetragen werden, teilte AMS kurz vor der virtuellen Hauptversammlung mit. Bisher hatten klagende Aktionäre einen Eintrag des Vertrages, der bei einer außerordentlichen Hauptversammlung beschlossen wurde, verzögert. Was rein bürokratisch klingt, ist nicht ganz unwichtig in diesem Fall: AMS will auf die Finanzmittel von Osram zugreifen Die Übernahme war teuer, die Schulden sind hoch.

Dabei ist es nicht so, dass AMS nicht auch so schon herrschen würde in München. Immerhin geht Berlien jetzt, für ihn kommt AMS-Finanzvorstand Ingo Bank, den Berlien gut kennt, weil er früher mal sein Finanzvorstand bei Osram war. Der langjährige Aufsichtsratschef Peter Bauer ist weg, an seiner Stelle kontrolliert nun der AMS-Vorstand Thomas Stockmeier das Osram-Management. Der lobt Berlien, der das Unternehmen stark verändert und geprägt habe. Das ist einerseits richtig, weil Berlien Osram sehr stark auf renditestärkere Chips ausgerichtet und unabhängiger vom Leuchtengeschäft gemacht hatte. Und da Osram gerade übernommen wurde und seine Unabhängigkeit verloren hat, stimmt es natürlich erst recht: So eine Übernahme verändert und prägt ein Unternehmen wie Osram, und zwar entscheidend. Dass Osram erst kürzlich bekanntgab, dass das Geschäft mit Elektronik und Vorschaltgeräten verkauft werden soll, zeigt, wie schnell es gehen kann.

Berlien soll selbst mal an eine Übernahme von AMS gedacht haben

Für seinen letzten großen Auftritt als Osram-Chef entscheidet sich Berlien für dunklen Anzug, weißes Hemd, blaue Krawatte, dazu trägt der 58-jährige Manager, der sechs Jahre an der Spitze des Lichtunternehmens stand, eine große Portion Pathos. Sagt, dass er mit Wehmut gehe, aber "auch mit einer guten Portion Stolz und in dem Wissen, ein strategisch gut aufgestelltes Unternehmen zu hinterlassen". Auch wenn das für die Mitarbeiter (die, so sagt Berlien ihm "wirklich sehr" ans Herz gewachsen seien) alles nicht so einfach gewesen sei in den vergangenen Monaten: Dies ändere alles nichts an der "strategischen Logik des Zusammenschlusses". Berlien sagt "Zusammenschluss", was so klingt, als hätten sich da zwei Unternehmen auf Augenhöhe zusammengetan. Ganz so ist es natürlich nicht gewesen. Übrigens soll Berlien selbst vor Jahren mal an eine Übernahme von AMS gedacht haben. Er tat es dann doch nicht. Bis AMS den Spieß dann umdrehte und das übernommene Unternehmen aus München nun Stück für Stück bei sich integriert.

Aber Berlien möchte sich an diesem Dienstag mit guten Nachrichten verabschieden. Dazu gehört eine Lokalgeschichte, die in Hamburg vielleicht weniger interessiert, in München dafür aber umso mehr. Am Karlsplatz, auch "Stachus" genannt, hing jahrzehntelang der berühmte Osram-Schriftzug "Hell wie der lichte Tag" - bis er aufgrund behördlicher Entscheidungen entfernt werden musste. "Ich hatte Ihnen damals angekündigt: Wir werden kämpfen, um ihn wieder erstrahlen zu lassen", sagt Berlien heute. Modern, "mit energiesparenden LEDs und digitaler Steuerung". Der Berlien-Coup geht weiter: "Heute Abend ist es so weit", sagt er. "Dann schalten wir die Lichter wieder an." Osram werde auch "noch in vielen Jahren leuchten", sagt der scheidende Manager. Hell wie der lichte Tag. Was für ein Schlusswort.

© SZ
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