Autoindustrie:Lohscheller hört als Opel-Chef auf

Michael Lohscheller

Jung im Geist, grün und weltweit aufgestellt sei das neue Opel, hat Michael Lohscheller noch vor wenigen Tagen gesagt. Jetzt geht er.

(Foto: dpa)

Michael Lohscheller hat den Autohersteller zurück in die schwarzen Zahlen geführt. Nun hat er die Führung überraschend abgegeben.

Von Max Hägler

Nicht einmal eine Woche ist es her, da ist Michael Lohscheller noch sehr kraftvoll aufgetreten. Opel wird den Manta neu erfinden bis zur Mitte des Jahrzehnts, natürlich mit E-Antrieb, sagte er da bei der Konferenz des Mutterkonzerns Stellantis. Und die Traditionsmarke aus Rüsselsheim werde bis zum Jahr 2028 komplett elektrisch werden - also keine Benziner und Verbrenner mehr in Europa verkaufen. Dafür aber bald in China auftreten. Das sei das neue Opel: jung im Geist, grün und weltweit aufgestellt.

Es ist ein spannendes Projekt, das Lohscheller da angestoßen hat. Doch er selbst wird daran überraschend nicht teilhaben. Wie Stellantis, dieses italienisch-französisch-amerikanische Konzerngebilde, am Dienstag mitteilte, wird der Diplom-Kaufmann als Opel-Chef abtreten. Lohscheller habe sich entschieden, eine Aufgabe außerhalb des Stellantis-Konzerns anzunehmen, hieß es ohne weitere Details.

Stellantis-Chef Carlos Tavares dankte Lohscheller, dass er zusammen mit den Opel-Mitarbeitern ein starkes, nachhaltiges Fundament für das Unternehmen geschaffen habe. "Dieser beeindruckende Turnaround ebnet nun den Weg für eine weltweite Expansion der Marke." Tatsächlich geschah in Rüsselsheim in den vergangenen Jahren beachtliches. Opel war über viele Jahre in den roten Zahlen gewesen, lieblos geführt von der Konzernmutter General Motors, es war ein steter Existenzkampf ab den 1990er-Jahren. Im Jahr 2017 kaufte der französische PSA-Konzern den Amerikanern die Marke ab - und Carlos Tavares beförderte den vormaligen Opel-Finanzchef und Marathonläufer Lohscheller.

Exekutierte er nur das Spardiktat aus Paris?

Lohscheller organisierte den Umbau und die Sanierung des Unternehmens so einvernehmlich wie möglich mit den Arbeitnehmern: Zwar wurden Tausende Stellen gestrichen und große Teile des Entwicklungszentrums verkauft, aber betriebsbedingte Kündigungen blieben aus. Die drei Standorte Rüsselsheim, Kaiserlautern und Eisenach blieben so bestehen - und, das lässt sich so sagen: Opel überlebte. Die Marke schrieb zuletzt sogar herausragende Geschäftszahlen: Im vergangenen Jahr, als manche Hersteller wegen Corona in die roten Zahlen rutschten, machte Opel 595 Millionen Euro Gewinn. Ein Wandel, der auch weiten Teilen der Gewerkschaft IG Metall Respekt abverlangt.

Wobei die Kritiker sagten: Der gebürtige Bocholter exekutiere doch bloß das Spardiktat des Effizienzfanatikers Tavares. Die Beinfreiheit des Deutschen war jedenfalls gering. Unter der Haube der neuen Modelle stecken mittlerweile Plattformen, die auch die PSA-Marken Citroen oder Peugeot nutzen. Und seitdem sich PSA zu Jahresbeginn mit Fiat-Chrysler zusammengetan hat, ist Opel endgültig nur noch eine Marke unter vielen. Lohschellers Auftrag ist dabei gewesen, die "Germaness" zu erhalten, also das spezifisch Deutsche. Doch was ist denn noch deutsch, wenn Paris so viel vorgibt? Die Frage stellt sich immerzu in diesem Jahren. Und vielleicht ist sie der Grund für den überraschenden Abgang.

Aus der Gerüchteküche der Autobranche heißt es, Lohscheller könnte zu Volkswagen wechseln, dort wo er auch schon einmal in leitender Funktion gearbeitet hat. Bestätigt ist das nicht, aber es könnte schon Sinn ergeben: Bei VW schaut man sehr aufmerksam und mit Respekt auf Stellantis. Lohscheller könnte die Effizienz von Tavares nach Wolfsburg bringen. Sein Nachfolger in Rüsselsheim steht schon fest: Der bisherige Deutschland-Chef des Konkurrenten Renault, Uwe Hochgeschurtz, soll die Marke mit dem Blitz ab dem 1. September führen.

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