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Bahn:Mit dem Nachtzug durch Europa

Es ist meist weniger das Ambiente, das wieder mehr Menschen mit Nachtzügen fahren lässt. Sondern vielmehr der Wunsch, CO₂ zu sparen

(Foto: Stephan Rumpf)

Unbequem, langsam, teuer: Nachtzüge waren lange letzte Wahl. Mit der Klimadebatte hat sich das geändert, plötzlich wollen alle im Zug schlafend ans Ziel kommen. Doch so einfach ist das nicht.

Elias Bohun fährt mit dem Zeigefinger auf dem Bildschirm seines silbernen Laptops entlang, zieht Linien von Stadt zu Stadt auf der grünblauen digitalen Landkarte. Mit dem Nachtzug ging es zuerst von Wien nach Warschau, erzählt der junge Österreicher. Weiter über Russland bis nach Kasachstan, wo wilde Pferde neben den Bummelzügen mitliefen. Zwei Wochen fuhr der damals 18-jährige Klimaaktivist mit seiner Freundin von Wien bis nach Vietnam, quer durch mehrere Zeit- und Klimazonen. Elias Bohun wollte auf das Flugzeug verzichten und trotzdem die Welt entdecken. Heute, zwei Jahre später, baut er in einer kleinen Wiener Altbauwohnung gerade sein eigenes Reisebüro für Zugfernreisen auf. Er kann auswendig aufzählen, welche die schnellste Verbindung von München nach Lissabon ist ("über Paris und Hendaye mit einer Übernachtung in San Sebastián"). Und selbst ein wenig ungläubig berichten, dass er seit dem Start seines Reisebüros im Dezember schon mehr als 2000 Anfragen bearbeitet hat, die meisten davon aus Deutschland.

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