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Nach EuGH-Urteil:Apothekerpräsident: "Wir werden aus allen Rohren schießen"

Apotheke

Die Apothekerschaft will künftig vor Ort Stimmung gegen die ausländischen Versandapotheken machen.

(Foto: dpa)

Die deutsche Apothekerschaft plant nach dem EuGH-Urteil eine bundesweite Plakatkampagne - und fordert eine sofortige Gesetzesänderung.

Erst waren sie fassungslos, dann entsetzt und nun sind sie sauer: Die deutschen Apotheker verlangen nach der Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH), Rabatte auf Medikamente ausländischer Versandapotheken zuzulassen, eine sofortige Gesetzesänderung. Die Entscheidung sei ein destruktiver Eingriff in die Rechtsordnung und in das funktionierende Gesundheitswesen, sagte der Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA), Friedemann Schmidt, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Die Apotheker sprechen sich unter anderem für ein gänzliches Verbot des Versandhandels mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln in Deutschland aus. Eine Gesetzesänderung sei binnen weniger Wochen möglich, sagt Schmidt.

Die Apotheker wollen sich nicht nur an die Politik richten. Auch die Kundschaft wollen sie davon überzeugen, dass ein offener Preiswettbewerb im Arzneimittelgeschäft falsch ist. Geplant ist laut Schmidt eine bundesweite Plakat- und Anzeigenkampagne gegen die Konkurrenten aus dem Ausland. "Wir werden aus allen Rohren schießen", sagt der Apothekerpräsident.

Verbraucherschützer halten Verbot für "nicht zielführend"

Laut dem Urteil des EuGH müssen sich ausländische Versandapotheken nicht an die deutsche Preisbindung für verschreibungspflichtige Arzneimittel halten. Nach Auffassung der Luxemburger Richter ist diese nicht mit dem Grundsatz des freien Warenverkehrs in Europa vereinbar. Der Freistaat Bayern hat am Donnerstag bereits eine Bundesratsinitiative angekündigt, um den Versandhandel mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln in Deutschland zu verbieten.

Verbraucherschützer sehen keinen Bedarf nach einem solchen Schritt. Ein Verbot der Versandapotheken sei "nicht zielführend", sagt Kai Vogel von der Verbraucherzentrale Bundesverband. Er mahnt, das Ergebnis nicht vorschnell überzubewerten - schließlich gelte das EuGH-Urteil ausschließlich für ausländische Versandapotheken, und die deckten nur einen kleinen Teil des deutschen Marktes ab. Ob die Entscheidung langfristig für sinkende Preise oder deutlich mehr Wettbewerb sorgen werde, sei momentan noch völlig unklar.

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