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Nach der Karstadt-Rettung:Eine fixe Idee - aber keine Zukunft

Karstadt ist gerettet, doch das wird die einzige positive Nachricht des Konzerns bleiben. Das Karstadt-Konzept ist veraltet, der neue Eigner Nicolas Berggruen muss bald seine Versprechen brechen - auf Kosten der Mitarbeiter.

Nach monatelangem Gefeilsche stehen sie jetzt doch vor der Einigung. Der deutsch-amerikanische Investor Nicolas Berggruen soll von den Gläubigern und dem Vermieterkonsortium Highstreet den Zuschlag für die angeschlagene Kaufhauskette Karstadt bekommen. Damit wäre nicht nur ein übles Gefeilsche zu Ende, in dem auch Geldhäuser wie die Deutsche Bank nicht immer eine gute Figur machten. Auch die Belegschaft kann erst einmal aufatmen. Die akute Gefahr ist gebannt, dass der traditionsreiche Warenhauskonzern, der im Juni 2009 in die Insolvenz ging, liquidiert wird und die 25.000 Mitarbeiter in die Arbeitslosigkeit geschickt werden.

Einigung mit Highstreet-Glaeubigern 'auf gutem Weg'

Der voraussichtlich neue Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen in einer Filiale des Warenhauskonzerns in Berlin.

(Foto: ddp)

Entlassungen sind nötig

Doch die vermeintlich guten Nachrichten haben eine Schattenseite. Der neue Eigentümer kommt um drastische Einschnitte nicht herum. Er wird Kaufhäuser schließen und Personal entlassen müssen. Zwar hat er vorher versprochen, genau dies nicht zu tun. Berggruen hat im Grunde die entscheidende Unterstützung der Gewerkschaft Verdi mit dieser Zusage erkauft. Aber der neue Karstadt-Eigner wird sein Versprechen nicht halten können.

Es ist erstaunlich, dass sich überhaupt ein Interessent für Karstadt gefunden hat. Die Entwicklung dieses Kaufhauskonzerns über die vergangenen beiden Jahrzehnte gab wenig Anlass zu Optimismus, sie war meist nach unten gerichtet. Auch bei dem direkten Konkurrenten Kaufhof ist die Lage nicht rosig. Kaufhof verdient zwar Geld. Aber die Mutter Metro hat die Lust an diesem Geschäft schon lange verloren und sucht einen günstigen Moment, die sorgenbringenden Warenhäuser loszuwerden.

Das Modell des Vollsortiment-Kaufhauses ist am Ende. Damit lässt sich nicht viel Geld verdienen. Die Kunden wollen heute nicht mehr, wie der einprägsame Werbeslogan aus längst vergangenen Zeiten versprach, "tausendfach, alles unter einem Dach" haben. Der Einzelhandel in den Städten hat sich in eine andere Richtung entwickelt. Ob Drogeriewaren oder Kosmetik, Lebensmittel oder Uhren und Schmuck: Die Kunden kaufen heute in den großen spezialisierten Ketten der Fußgängerzonen und Einkaufszentren ein. Ihre Einrichtung kaufen sie in den Riesenmöbelmärkten am Stadtrand.

Zudem gewinnt der Versandhandel über das Internet an Bedeutung. Wer auf dem Land oder in Kleinstädten wohnt, muss nicht mehr in die nächstgrößere Stadt zum Kaufhaus fahren, um eine CD, ein Buch oder eine Schultasche für den Nachwuchs zu kaufen. Der Einkauf per Mausklick macht es möglich. Es gibt immer weniger Gründe, in eine Karstadt- oder Kaufhof-Filiale zu gehen. Die haben nur noch in größeren Städten und guten Lagen ihre Bedeutung. Aber Voraussetzung ist, dass ihre Zahl kleiner wird und dass sie sich im Sortiment auf wenige Dinge konzentrieren. Die Kaufhaus-Manager müssen wohl auch die Flächen in den Häusern verringern.

Es wäre für die Banken und die Kaufinteressenten sinnvoll gewesen, die akute Krise bei Karstadt zur Neuordnung der Kaufhaus-Landschaft zu nutzen. Die Pläne zur Schaffung einer Deutschen Kaufhaus AG aus Karstadt und Kaufhof liegen längst in den Schubladen der Banken. Damit ließe sich die Zahl der Häuser reduzieren und die Lage entspannen. Doch dazu kommt es erst einmal nicht. Die Entwicklung dorthin aber wird sich nicht aufhalten lassen.

Ohne Kaufhof geht es nicht

Berggruen ist zwar ein vermögender Mann, der die fixe Idee hat, Karstadt zu sanieren, weil er die Marke für Kult hält. Die Mitarbeiter können daher erwarten, dass er mit Augenmaß seine schwere Aufgabe angehen wird. Aber auch der größte Enthusiast muss Gewinne machen. Deshalb müssen sich Mitarbeiter, die schon durch Lohnverzicht einen Beitrag zum Erhalt ihres Arbeitgebers geleistet haben, auf weitere Opfer einstellen. Sie werden auch ertragen müssen, dass Berggruen eines Tages auf den Konkurrenten Kaufhof zugehen wird, um mit ihm wenigstens für die meisten seiner Kaufhäuser eine gemeinsame Zukunft zu suchen.

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