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Preisschlacht:Drogerien liefern sich Coupon-Scharmützel

Tüte mit Geschenkpapier in München, 2013

Im Weihnachtsgeschäft kämpfen die Läden besonders um Kunden. Müller greift die Konkurrenz direkt an.

(Foto: Alessandra Schellnegger)
  • Die deutschen Drogerie-Ketten greifen zu kuriosen Methoden, wenn es um die Gunst der Kunden geht.
  • Branchenführer dm schickt seine Mitarbeiter zur Konkurrenz, um dort besonders günstige Angebote einzusacken.
  • Die Kette Müller macht etwas anderes: Sie verspricht den Kunden, Rabatt-Coupons der Konkurrenz entgegenzunehmen - und einen noch höheren Rabatt zu gewähren.

Die Drogeriemarktkette Müller wirbt in diesen Tagen am Eingang mancher Filialen mit einer ungewöhnlichen Aktion um Kunden: "Jetzt Ihren 10% Coupon von Rossmann, dm und Douglas einlösen und 15 % Rabatt auf das gesamte Müller-Sortiment erhalten", steht auf einem Plakat vor den Läden. Das Angebot ist eine freundlich formulierte Kampfansage an die Konkurrenz. Sie schenken sich seit jeher nichts, die Drogeriemärkte in Deutschland. Branchenführer dm schickt nach wie vor seine Mitarbeiter zu Rossmann, um dort besonders günstige Angebote einzusacken und sie ins eigene Regal zu stellen. Scharmützel um den günstigsten Preis liefert sich dm auch mit Aldi. Derzeit wetteifern sie darum, wer die günstigsten Bio-Produkte hat.

Dem Kunden kann der Dauerpreiskampf recht sein, wobei er genau hinschauen sollte, denn für andere Artikel steigen die Preise. Auch bei Rabatt-Coupons, die einen Preisnachlass versprechen, lohnt es sich, genau hinzuschauen, nicht immer spart man mit den Gutscheinen auch wirklich Geld. Eher geht es den Händlern darum, die Kunden an sich zu binden oder sie überhaupt erst anzulocken. Für die Hersteller haben die Gutscheine den Vorteil, Restposten loszuschlagen. Rund um die zahllosen Boni- und Treue-Programme hat sich eine findige Industrie entwickelt, die mit dem Spartrieb der Verbraucher spielt.

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Müllers Angebot hat rein rechnerisch wenig Sinn. Wenn der Drogist aus Ulm die Ware noch stärker rabattiert als die Konkurrenz, könnte das Geschäft am Ende Löcher in die eigene Kasse reißen. Handelsexperte Jochen Krisch kalauert auf Twitter, Rossmann und dm sollten doch direkt vor den Müller-Filialen Zehn-Prozent-Gutscheine ausgeben. "Mal sehen, wie lange Müller das durchhalten würde." Bis zur Pleite?

Der Rabattklau unter den Händlern ist durchaus legal. Rossmann und dm lösen je nach Kulanz in der Filiale auch die Coupons des jeweils anderen ein. dm wandelt die Fremd-Coupons sogar in "11-fach Payback-Punkte" um, dem größten Kundenbindungsprogramm in Deutschland mit 29 Millionen Nutzern. "Zum Vorteil der Kunden", sagt ein Sprecher. Der Vorteil für das Unternehmen besteht darin, dass es dann wichtige Daten über das Kaufverhalten der Kunden erhält.

Rechtlich ist an dem Coupontausch nichts einzuwenden, vorausgesetzt, der Kunde wird nicht beschwindelt. Der Gutschein muss auch tatsächlich eingelöst werden, so entschied es der Bundesgerichtshof (BGH) vor zwei Jahren. Schon damals hatte Müller mit Rossmann-Coupons geworben, die zehn Prozent Rabatt dem Kunden dann aber an der Kasse nicht gewährt.

Der Kunde beschwerte sich, die Wettbewerbszentrale beanstandete die irreführende Werbung mit der Einlösung fremder Coupons. Der BGH entschied, der Drogist müsse, wenn er mit fremden Coupons Kunden werbe, explizit darauf hinweisen, dass diese nicht in jeder Filiale eingelöst werden könnten. Müller verpflichtete sich, darauf hinzuweisen, wenn die Coupons nicht überall gültig sind. Wenn Kunden beispielsweise über den Filialfinder im Internet einen Müller-Drogeriemarkt suchen, muss dann klar sein, ob der Rabatt dort zu haben ist oder nicht. Falls nicht, kann sich der Kunde den Weg in die Filiale sparen.

Aus Kundensicht stellt sich freilich die Frage, worauf der Rabatt gegeben wird? Auf einen überhöhten Preis? So wie das inzwischen leider gängige Praxis ist? Dann könnte der Kunde getrost darauf verzichten.

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