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Mobilität:Die Bahn will sich ihr Geschäft nicht nehmen lassen

Das machen inzwischen viele. Immer neue Anbieter stoßen in das Geschäft mit Mobilität vor. Autohersteller fürchten angesichts des Abschieds vieler junger Leute vom eigenen Auto um den Absatz. Sie bieten selbst neue Dienste an. "Moia holt dich ab", lautet etwa der Slogan der neuen VW-Tochter mit Sitz in Berlin, die ebenfalls in Hamburg noch dieses Jahr einen Shuttle-Dienst aufnimmt. Elektroautos sollen Kunden künftig wie Sammeltaxis durch die ganze Stadt fahren. Das Unternehmen denkt längst an das ganz große Geschäft. Moia solle bis 2025 "einer der weltweit führenden Mobilitätsdienstleister werden", heißt es bei der VW-Tochter.

Bei der 180 Jahre alten Bahn hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Digitalisierung das Geschäft mit Mobilität auf den Kopf stellen kann. Auch ganz große IT-Konzerne mischen mit. So sammelt Google über die Handynutzer seines Betriebssystems Android Verkehrsdaten über Staus, den Bahntakt oder auch den U-Bahn-Verkehr. Die Handys erkennen etwa anhand der Beschleunigung, welches Verkehrsmittel ihr Besitzer nutzt. Damit könnte auch Google Nutzern Angebote zu Verkehrsmitteln machen. Die Bahn will sich das Geschäft nicht nehmen lassen. Und so entwickelt der Konzern etwa einen Alltagsbegleiter, der beispielsweise weiß, wo die Kunden sind, welches Wetter sie haben, wie sie sich am liebsten fortbewegen und am schnellsten zum Ziel kommen.

Auto, Fahrrad oder Roller? "Ziel ist ein Navigator durch die Stadt. Einer, der ständig dazulernt, was Kunden wollen", kündigt Huber an. Die Plattformtechnologie entwickelt die Bahn gerade mit der Verkehrsbranche. Erste Verkehrsverbünde würden die neue Technik den Kunden vom nächsten Jahr an anbieten. Beim Verkauf von Nahverkehrstickets wollen sich Bahn und Verkehrsverbünde zusammentun. Die Fahrkarten von 21 Verbünden bietet die Bahn bereits über ihre App an. Acht weitere sollen 2018 dazukommen.

Ob das reicht? Um die Kunden auf langen Strecken im öffentlichen Verkehr zu halten, will der Konzern das Fernverkehrsangebot ausbauen. "Wir wollen in den nächsten Jahren zwischen den Metropolen vom Stunden- auf den Halbstundentakt kommen", sagt Huber. "Wir betreiben dann fast schon eine bundesweite S-Bahn." Bei der Bahn gibt man lieber keine Prognose dazu ab, wer im digitalen Geschäft künftig den Ton angibt. Der Start-up-Fonds der Deutschen Bahn machte kürzlich aber immerhin klar, dass der Konzern Uber die Straße nicht kampflos überlässt. Die DB Digital Ventures stieg beim New Yorker Unternehmen Go Kid ein - einer App, die in den USA Mitfahrgelegenheiten für den Schulweg der Kinder organisiert. Ein bisschen wie bei Uber eben - nur billiger.

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