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Meisterpflicht:Polieren am goldenen Boden

Fliesenleger

Oft müssen Kunden viele Wochen auf Handwerker warten.

(Foto: Ina Fassbender/dpa)

Viele Handwerker müssen bald wieder einen Meistertitel tragen - die 2004 abgeschaffte Meisterpflicht wird für zwölf Gewerke erneut eingeführt.

Von Henrike Roßbach, Berlin

Seinen Meister zu finden war schon mal leichter. Dass sie nicht vom Himmel auf die Baustelle fallen, ist bekannt, inzwischen aber hat die Zeitspanne, die man mit dem Warten auf die Ankunft der Herrn verbringt, 9,1 Wochen erreicht. So lange dauert es hierzulande im Schnitt, bis ein Handwerker einen Auftrag erfüllt. Im Bau- und Ausbauhandwerk, also dort, wo Dächer gedeckt, Wände gestrichen und Mauern gemauert werden, sind es 13,4, respektive 10,6 Wochen. Also etwa die Adventszeit mal drei, nur ohne Gloria.

Der Heiligenschein aber sitzt. Glaubt man den entsprechenden Bürgerbefragungen, reichen die Handwerker zwar nicht an Feuerwehrleute, Krankenschwestern oder Piloten heran, was Vertrauen und Ansehen angeht. Ins solide Mittelfeld aber schaffen sie es durchaus - all den Gruselgeschichten über feuchte Wände und lecke Leitungen zum Trotz, die klassisches Partytalk-Material sind.

Einen Ruf wie Donnerhall genießt der Meisterbrief, dem höchstens noch der deutsche Ingenieur und die schwäbische Hausfrau das Wasser reichen können. Was natürlich kein Wunder ist, gemessen an der deutschen Vorliebe für das Solide und Genaue und für gerahmte Zertifikate. Ebenfalls nicht verwunderlich ist die Neigung der Politik, dem Handwerk regelmäßig Gutes zu tun, auf dass ein Teil des Lichts auf sie abstrahle. Auch am Donnerstag wurde im Bundestag ein bisschen am goldenen Boden herumpoliert: Die 2004 abgeschaffte Meisterpflicht wird für zwölf Gewerke wieder eingeführt.

"Man freut sich jeden Abend darüber, dass man sehen kann, was man geschafft hat"

Dem Mythos Handwerk kann man sich auf vielerlei Art nähern. Eine ist, mit Janis Gentner zu sprechen. Meister ist er noch nicht, aber Weltmeister, im Fliesenlegen. Im Sommer gewann der 21-Jährige aus Aalen in Baden-Württemberg im russischen Kasan Gold bei den World Skills, der Weltmeisterschaft der Ausbildungsberufe. Danach kam er erst mal nicht mehr so richtig zum Arbeiten, wegen der vielen Termine. Nun aber ist er zurück auf der Baustelle, ein großes Bad ist gerade dran, mit Saunabereich, "ziemlich anspruchsvoll".

Handwerker, sagt Gentner, verbinde die Leidenschaft, Sachen herzustellen. "Man freut sich jeden Abend darüber, dass man sehen kann, was man geschafft hat. In vielen anderen Berufen hat man das nicht." Das Fliesenlegerhandwerk ist eines der Gewerke, in denen bald wieder der Meisterbrief notwendig sein wird, um sich selbständig zu machen. Richtig so, findet Gentner und berichtet von gesunkenen Azubi-Zahlen in seinem Handwerk seit der Liberalisierung und von Ein-Mann-Betrieben, die vielleicht 1000 Euro billiger seien, im Gewährleistungsfall aber schon nicht mehr existierten. Er selbst wollte ohnehin immer Meister werden, Pflicht oder nicht. Im Februar geht es los, an der Meisterschule Stuttgart. Rechnungswesen, Unternehmensführung, Fachtheorie, Pädagogik, Materialkunde. "Den totalen Überblick" erhofft er sich.

Schirmherrin der Berufe-Nationalmannschaft ist übrigens Angela Merkel, kürzlich empfing sie die WM-Teilnehmer in Berlin. "Solche Fachkräfte braucht unser Land", sagte sie dabei und erwähnte auch das mit der Meisterpflicht. Gentner hatte der Kanzlerin ein Bild mitgebracht. "Selbst geschnitten", sagt er. "Das World-Skills-Logo aus 15x15 Fliesen."

© SZ vom 13.12.2019/hgn
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