Medienbranche Milliarden-Monopoly beim Bezahlfernsehen

Eine Szene aus "Game of Thrones". Etwa 5,2 Millionen Abonnenten zahlen in Deutschland für das Angebot von Sky.

(Foto: AP)
  • Comcast, führender US-Kabelanbieter, will Europas größten Pay-TV-Sender Sky für gut 33 Milliarden Euro übernehmen.
  • Die etablierten Film- und Fernsehkonzerne hoffen, durch solche Zusammenschlüsse besser gegen Internet-Konkurrenten wie Netflix bestehen zu können.
  • Analysten schließen Preiserhöhungen für Sky-Kunden nicht aus, da der neue Eigentümer den Kaufpreis wieder hereinholen muss.
Von Caspar Busse und Björn Finke

Das Gezerre dauerte bereits fast zwei Jahre. Wer wird künftig das Sagen haben bei Sky, Europas größtem Pay-TV-Sender, der allein in Deutschland 5,2 Millionen Abonnenten hat und einer der wichtigsten Finanziers der Fußball-Bundesliga ist? Lange ging es hin und her, nun wurde die Entscheidung am Wochenende mit zwei dürren Sätzen bekanntgegeben. Das Takeover Panel in London - also das Gremium, das Firmenübernahmen an der Londoner Börse überwacht - nannte zwei Zahlen: Comcast bietet 17,28 Pfund pro Sky-Aktie, Fox 15,67 Pfund. Damit liegt nun der amerikanischen Kabelkonzern Comcast vorn, er will umgerechnet gut 33 Milliarden Euro für Sky zahlen.

Der Preis gilt als überraschend hoch, und das Verfahren war ungewöhnlich. Denn weil sich der Wettkampf um Sky so lange ohne Entscheidung hingezogen hatte, setzte das Takeover Panel in der vergangenen Woche schließlich eine Auktion an. So etwas kommt sehr selten vor. Die Versteigerung, die am Freitagabend begann, ging über drei Runden, ihr Ergebnis sind endgültige Offerten, die nicht mehr geändert werden können. Skys Verwaltungsrat empfahl den Aktionären, das in der Auktion ermittelte finale Angebot von Comcast anzunehmen. Dafür haben die Anteilseigner nun bis zum 11. Oktober Zeit. Comcast setzte sich in dem Bieterverfahren gegen 21st Century Fox durch, die Film- und Fernsehgruppe des Medienmilliardärs Rupert Murdoch. Beide Konzerne boten in der Auktion für Sky. Allerdings hat Murdoch den Großteil von 21st Century Fox an den US-Unterhaltungskonzern The Walt Disney Company verkauft. Daher buhlten de facto zwei US-Rivalen - Comcast und Disney - um Sky.

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Fest steht: Comcasts Einstieg wird die Bezahl-TV-Branche in Europa verändern. Sky kommt derzeit auf 23 Millionen Abonnenten vor allem in Großbritannien, aber auch in Irland, Italien, Österreich, der Schweiz und Deutschland und bringt Live-Sport sowie Filme und Serien, darunter etwa Game of Thrones. 2017 lag der Umsatz bei 13,6 Milliarden Pfund, bei einem stark steigenden Nettogewinn von 815 Millionen Pfund. Comcast-Chef Brian Roberts sprach von einem "großen Tag" für sein Unternehmen. Sky sei eine starke Marke und Plattform, die Comcast zusätzlich Kunden verschaffen könne. Comcast mit 75 Milliarden Dollar Umsatz ist der größte Kabelanbieter in den USA und hatte bereits die Spielfilmstudios NBC-Universal und Dreamworks gekauft. Versuche, Disney oder Time Warner zu übernehmen, scheiterten in den vergangenen Jahren.

Der Sender zeigt Fußball, auch Champions-League, und ist Geldgeber der Bundesliga

Das Geschäft ist die dritte Großübernahme in der internationalen Fernsehbranche innerhalb weniger Monate. Im Juni besiegelte der amerikanische Telekomkonzern AT&T den 85 Milliarden Dollar schweren Kauf des Unternehmens Time Warner, zu dem das Filmstudio Warner Bros., der Sender CNN und die Pay-TV-Gruppe HBO gehören. Einen Monat später segneten die Aktionäre die Übernahme von 21st Century Fox durch Disney für 71 Milliarden Dollar ab. Comcast wollte Fox ebenfalls erwerben, unterlag aber dem Konkurrenten und kommt nun bei Sky zum Zug.

Das Milliarden-Monopoly ist auch die Folge des Aufstiegs von Streamingdiensten wie Netflix und Amazon Prime. In Großbritannien haben diese Anbieter, die Filme, Serien und Live-Sport über das Internet verbreiten, schon mehr Abonnenten als die Pay-TV-Sender. Die etablierten Film- und Fernsehkonzerne hoffen, durch Zusammenschlüsse besser gegen die Angreifer aus dem Netz bestehen zu können. Sky produziert eigene Serien und will das noch ausbauen - das könnte auch für Comcasts Kabelkunden in den USA interessant sein. Umgekehrt könnte Sky davon profitieren, dass dem künftigen Mutterkonzern das Filmstudio Universal Pictures gehört. Comcast-Chef Roberts sagte am Wochenende, der Kauf erlaube seiner Firma, "schnell, effizient und in bedeutendem Umfang die Kundenbasis auszubauen und international zu wachsen".

Die Fußball-Bundesliga läuft ebenfalls beim Bezahlsender.

(Foto: Jan Woitas/dpa)

Unklar ist, ob Comcast nun für Sky einen Strategiewechsel plant. Bisher war der US-Konzern im Geschäft mit Sportübertragungen nicht sehr engagiert. Sky dagegen ist in Europa gerade dort stark, vor allem im Fußball. So werden nicht nur Spiele der nationalen Ligen gezeigt, sondern auch die Champions League. Doch hier gibt es immer mehr Wettbewerb, etwa durch den Streamingdienst Dazn oder durch den US-Konzern Discovery (Eurosport). Für Deutschland etwa hat Sky Rechte für die Champions League verloren, muss aber deutlich mehr zahlen. So wird pro Spieltag nun nur noch eine Partie und eine Konferenzsendung, ein Zusammenschnitt aller Spiele, ausgestrahlt. Auch im frei-empfangbaren ZDF gibt es keine Champions League mehr zu sehen. Dafür zeigt nun Dazn den Großteil der Begegnungen.

Analysten schließen trotzdem Abo-Preiserhöhungen bei Sky nicht aus, denn Comcast muss die 33 Milliarden Euro für den Sender wieder hereinholen. Die gebotenen 17,28 Pfund pro Aktie sind doppelt so viel, wie die Sky-Papiere vor zwei Jahren wert waren. Ende 2016 begann ein wendungsreicher Kampf um die Zukunft von Sky, der den Kurs und die Angebote nach oben trieb. 39 Prozent der Aktien gehören 21st Century Fox, und im Dezember 2016 verkündete Murdochs Fernsehgruppe, die anderen 61 Prozent für 10,75 Pfund pro Anteilsschein kaufen zu wollen.

Murdoch hatte den übrigen Sky-Aktionären bereits 2010 so eine Offerte unterbreitet. Er zog sie aber zurück, als ein Jahr später herauskam, dass eines seiner britischen Boulevardblätter Handy-Mobilboxen von Prominenten und Verbrechensopfern angezapft hatte. Wegen des Skandals war der politische Widerstand gegen eine Komplettübernahme zu groß. Der zweite Versuch im Dezember 2016 stieß ebenfalls auf Hürden. Die britische Wettbewerbsaufsicht und die Rundfunkbehörde äußerten Sorgen um die Medienvielfalt. Murdochs Zeitungsholding News Corp gehören die Blätter The Times und The Sun.

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