Streaming-Dienst Springer-Chef Döpfner wird Mitglied im Netflix-Verwaltungsrat

Mathias Döpfner zieht in den Verwaltungsrat von Netflix.

(Foto: Roland Schlager/dpa)
  • Neben seinem Engagement beim Streaming-Anbieter bleibt Döpfner weiterhin Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG und Vorsitzender des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger.
  • Netflix erhofft sich "wertvolle Perspektiven und wichtige Einblicke für den Ausbau und die kontinuierliche Verbesserung unseres weltweiten Angebots".
  • Auch Springer könne von Döpfners neuem Job profitieren, heißt es, denn es könnten sich neue Impulse ergeben.
Von Caspar Busse

Als die "Popstars unserer Zeit" hat Mathias Döpfner, 55, einmal die Gründer aus dem Silicon Valley bezeichnet - und der studierte Musikwissenschaftler verglich die Erfinder von Apple, Amazon oder Facebook sogar mit den Rolling Stones oder den Beatles. Jetzt heuert der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer AG bei einem solchen Popstar an: Döpfner wird, neben seinem Job als Springer-Chef, Mitglied des Verwaltungsrats von Netflix. Das Unternehmen aus Los Gatos in Kalifornien, einst als Videothek gestartet und heute der größte Streaminganbieter der Welt, ist an der Börse ist die Firma fast schon so viel wert wie der Unterhaltungskonzern Disney.

Netflix-Gründer und -Chef Reed Hastings sagte, er erhoffe sich davon "wertvolle Perspektiven und wichtige Einblicke für den Ausbau und die kontinuierliche Verbesserung unseres weltweiten Angebots". Döpfner kennt Hastings von seinen US-Reisen bereits seit Längerem. Auch Springer könne von Döpfners neuem Job profitieren, denn es könnten sich neue Impulse ergeben, heißt es. Hastings jedenfalls lobte Döpfners "Vorreiterrolle sowohl in der europäischen Geschäftswelt als auch in den digitalen Medien". Döpfner wiederum bezeichnete den Streamingriesen als einzigartig. Zurecht, Netflix hat rund 130 Millionen Nutzer in über 190 Ländern und hatte zuletzt angekündigt, international weiter zu wachsen. Gerade in Europa soll viel Geld in neue Inhalte, in Serien und Filme, investiert werden. Springer könnte dabei helfen.

Döpfner, der auch den Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger führt, bezeichnet Springer immer als digitales Unternehmen, Regionalzeitungen und Magazine hat er verkauft. Sein Verlag verlegt nun noch Bild und Welt, ist jedoch auch in den USA aktiv, etwa mit dem Wirtschaftsnachrichtenportal Business Insider. Netflix ist an der Börse aber zwanzig Mal so viel wert wie Springer.

Der Verwaltungsrat, das sogenannte board eines US-Unternehmens, hat deutlich mehr Einfluss und Mitspracherecht als ein deutscher Aufsichtsrat. Döpfner kann sich also künftig einbringen, wenn er will. Erfahrung hat er schon: So war Döpfner früher einmal Verwaltungsrat bei Vodafone und bei Time Warner. Nun also hat der Ex-Journalist, im Amt seit 2002, einen neuen Nebenjob.

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