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Medien:Fantasy ganz vorn: "Game of Thrones" hofft auf Emmy-Rekord

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Die Skyline von Los Angeles leuchtet im Hintergrund auf der Bühne für die 71. Primetime Emmy Awards im Microsoft Theater. Foto: Chris Pizzello/Invision (Foto: dpa)

Los Angeles (dpa) - Zu den Favoriten zählt die letzte Staffel von "Game of Thrones" (GoT) bei der der 71. Verleihung des wichtigsten Fernsehpreises der Welt sowieso. Spannend bleibt die Frage, ob das Team der US-Fantasy-Saga es schafft, die meisten Emmy-Preise einer Serie in einem einzelnen Jahr zu gewinnen.

Es wäre nach dem Ende der Abschluss-Staffel die Krönung eines im wahrsten Sinne fantastischen Erfolges bei Kritik und Publikum. Doch die Konkurrenz steht schon in den Startlöchern.

Ohnehin steht die Sendung, die in diesem Jahr ohne Moderator auskommen soll, ganz im Zeichen des Wettstreits zwischen dem Bewährten und dem Neuen: Können schon dutzendfach ausgezeichnete Formate wieder abräumen? Oder müssen sie Platz machen für Newcomer? In der Nacht zum Montag werden ab 2 Uhr morgens deutscher Zeit die Gewinner in gut zwei Dutzend Hauptkategorien des Preises bekanntgegeben. Mehr als 100 weitere Auszeichnungen in weiteren Kategorien wurden bereits vergangenes Wochenende vergeben.

Der Preis unterscheidet bei fiktionalen Produktionen zwischen Drama-, Comedy- und Miniserien-Kategorien. Die Akademie hat bei den Nominierungen in diesem Jahr besonders die letzten Staffeln zweier Lieblinge von Kritik und Publikum ins Zentrum gerückt.

Das ist neben "Veep - Die Vizeprädidentin" vor allem der erwähnte HBO-Megahit "Game of Thrones" (GoT) - bei ihm stellt sich eigentlich nur die Frage, wie viele Preise zum Abschluss zu den 38 Auszeichnungen aus vergangenen Jahren noch hinzukommen. Die Kritiken für die Abschlussstaffel waren zwar nicht herausragend, aber schon die 32 Nominierungen in diesem Jahr waren ein neuer Rekord. Und ein Lob der rund 25 000 Abstimmungsberechtigten zum Ende der bereits dreimal als bestes Drama prämierten Serie wäre nicht ungewöhnlich.

Besonders in dieser Königskategorie dürften die zwar hochgelobten, aber beim breiten Publikum kaum beliebten Serie "Succession" über die intrigante Familie eines alternden Medienmoguls oder das berührende New-York-Drama "Pose" wenig Chancen haben. Schon bei den Verleihungen in den Nebenkategorien am vergangenen Wochenende kam "GoT" auf zehn Trophäen. Fünf weitere könnten am Sonntag noch hinzukommen. Damit könnte die Serie einen Rekord brechen, den sie selbst aufgestellt hat: 2015 und 2016 erhielt sie je zwölf Auszeichnungen, mehr als je eine andere Serie in einem einzigen Jahr.

Offener ist das Rennen in den Comedy-Kategorien. Die düstere Auftragsmörder-Satire "Barry" hat exzellente Kritiken für ihre zweite Staffel bekommen, ebenso die Dramady-Serie "Fleabag", in dem Autorin Phoebe Waller-Bridge auch die Hauptrolle spielt. Amazons "Marvelous Mrs. Maisel" gilt als charmanter Publikumsliebling. Gute Chancen hat aber auch "Veep" über eine skrupellose Spitzenpolitikerin mit unfähigem Team.

Hauptdarstellerin Julia Louis-Dreyfus hat für ihre Rolle als Präsidentin Selena Meyer bis 2017 schon sechs Emmys gewonnen. Sie hatte dann eine schwere Krebserkrankung überwunden und nach ihrer Genesung die nun zur Wahl stehende siebte und letzte Staffel abgedreht - alles andere als ein Emmy für sie wäre eine große Überraschung.

Bei den Miniserien dürfte das Atom-Drama "Chernobyl" nach herausragenden Kritiken weiter abräumen. Die Qualität des fünfeinhalbstündigen HBO-Dramas ist in den USA seit Monaten Thema in der Branche, sieben Emmys gab es bereits vor einer Woche. Der andere ebenfalls auf wahren Begebenheiten beruhende Favorit im Kampf um den Titel als beste Miniserie ist die Netflix-Produktion "When They See Us" über fünf zu Unrecht verurteilte latein- und afroamerikanische Jugendliche.

Weitere Emmys werden für Unterhaltungs- und Talkformate vergeben. Doch nicht nur in den Einzelkategorien, sondern auch bei den Anbietern geht es am Sonntagabend um den Kampf der alten Garde gegen neue Internet-Plattformen. Dabei stellt sich erneut die Frage, ob Serien des Premium-Kabelfernsehsenders HBO mehr Trophäen zugesprochen bekommen als der Streaminggigant Netflix.

Bei den Nominierungen lag HBO mit 137 zu 118 vorne, und nach den Kreativkategorien am ersten Emmy-Wochenende kommt HBO auf 25 und Netflix auf 23 Preise. Es folgen National Geographic und Amazon mit je acht bisherigen Auszeichnungen. Deutlich dahinter liegt der Fernsehsender NBC mit nur fünf Auszeichnungen.