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Maschinenbau - Aschersleben:Schiess Aschersleben: Insolvenzverfahren in Eigenregie

Aschersleben (dpa/sa) - Der Werkzeugmaschinenbauer Schiess Aschersleben will seine Krise aus eigener Kraft bewältigen. Das Amtsgericht Magdeburg sei dem Antrag der Geschäftsführung auf eine Insolvenz in Eigenverwaltung gefolgt, teilte das Unternehmen am Freitag mit.

Zum vorläufigen Sachwalter wurde der Sanierungsexperte Lucas Flöther bestellt. Er war bundesweit als Insolvenzverwalter bei der Air-Berlin-Pleite bekannt geworden. Dem Fahrradhersteller MIFA Sangerhausen verhalf er zu einem Neustart mit neuem Investor. Zuvor hatte die "Mitteldeutsche Zeitung" vom Insolvenzantrag von Schiess berichtet.

Im Eigenverwaltungsverfahren werde im vollen Umfang weiter produziert. Die Löhne und Gehälter der aktuell 226 Beschäftigten seien bis Ende März über das Insolvenzgeld gesichert. Die Belegschaft wurde am Freitag bei einer Mitarbeiterversammlung über die Situation informiert. Das verschaffe finanziellen Spielraum, um die Restrukturierung voranzutreiben, betonte Robert Tobias von der Beratungsfirma "Restrukturierungspartner", der im Unternehmen als Generalbevollmächtigter fungiert.

Eine Insolvenz in Eigenverwaltung bietet einem Unternehmen die Chance, sich bei laufendem Betrieb neu aufzustellen und zu sanieren. Die unternehmerische Verantwortung bleibt bei der Geschäftsführung. Ein Sachwalter überwacht den Prozess.

Das 1857 gegründete Unternehmen baut große Werkzeugmaschinen wie etwa Portalfräsmaschinen, die riesige Metallteile bearbeiten können. Kunden kommen weltweit aus der Schwerindustrie, Luft- und Raumfahrt sowie dem Maschinenbau.

In den nächsten Wochen soll ein Restrukturierungskonzept ausgearbeitet werden. Schon vor mehreren Monaten hatte eine Neuausrichtung begonnen, um international wettbewerbsfähig zu bleiben. Im Produktportfolio sollen künftig innovative Maschinen und das Retrofit-Geschäft Schwerpunkte sein. Als Retrofit wird die Modernisierung bestehender Maschinen und Anlagen bezeichnet.

Das Unternehmen verspricht sich davon eine konstante Auslastung. Die kapitalintensiven und weniger rentablen Großprojekte sollen dagegen zurückgefahren werden. Die Schiess GmbH hatte laut Bundesanzeiger im Jahr 2016 einen Umsatz von gut 54 Millionen Euro und einen Gewinn nach Steuern von rund 303 000 Euro gemacht.

Gewerkschaft und Betriebsrat warfen dem chinesischen Eigentümer und der örtlichen Geschäftsleitung Missmanagement vor. Schiess war 2004 von dem chinesischen Konzern Shenyang Machine Tool Group übernommen und damit vor dem Aus bewahrt worden.