Leitwährung Ist der Dollar wirklich konkurrenzlos?

Der Dollar ist seit Jahrzehnten die weltweite Leitwährung. Nicht jedem gefällt das.

(Foto: Bloomberg)
  • Der Großteil der internationalen Zahlungen wird in Dollar abgewickelt. Die USA können die eigene Währung daher auch als politisches Druckmittel einsetzen.
  • Nicht nur Autokraten wünschen sich aus diesem Grund Alternativen zur Leitwährung. Dass der Dollar in dieser Funktion abgelöst wird, ist aber aus mehreren Gründen unwahrscheinlich.
Von Victor Gojdka

Es war am 14. Februar 1945, als der Dollar auf einem Schiff endgültig zur wichtigsten Währung der Welt wurde. US-Präsident Roosevelt sparte sich selbst Alkohol und Zigaretten vom Munde ab, um die religiösen Gefühle seines Gesprächspartners nicht zu verletzen: des saudischen Königs Ibn Saud. Denn es ging um viel, der saudische König sollte unterschreiben, saudisches Öl ab jetzt nur noch in Dollar zu handeln. Er unterschrieb.

Schon wenige Jahre später handelten fast alle Länder ihr Öl in Dollar. Es war ein Meilenstein in der Aufstiegsgeschichte des Dollar zur Weltleitwährung. Eine Weltleitwährung, die viele nun gerne fallen sehen würden, mehr als 70 Jahre nach der Episode auf dem Schiff. Die Türkei, Russland und Venezuela, sie alle wollen sich unabhängiger machen vom Dollar, mehr Geschäfte in anderen Währungen abwickeln. Verständlich, sagen da viele. Aber die Strategie sei am Ende durchsichtig, es blieben eben: Autokraten. Mit seinem Vorstoß, "von den USA unabhängige Zahlungskanäle einzurichten" und daher eine Alternative zum internationalen Zahlungssystem Swift aufzubauen, stößt nun auch der deutsche Außenminister Heiko Maas ins selbe Horn. Dahinter steckt die Idee, die Macht der Amerikaner im internationalen Zahlungsverkehr zu schwächen.

Wirtschafts- und Finanzpolitik Eine Sprache, die sogar Trump versteht
Weltwirtschaft

Eine Sprache, die sogar Trump versteht

Die Macht der USA gründet auf ihrer Währung. Es gibt Mittel, diese Macht zu brechen. Ausgerechnet Putin macht vor, wie die globale Kräfteverschiebung möglich ist.   Kommentar von Marc Beise

Viele stören sich inzwischen daran, dass der Dollar nicht nur Zahlungsmittel in den USA ist. Die Währung ist inzwischen zur schlagkräftigen Finanzwaffe in den Händen des Weißen Hauses geworden. Die meisten internationalen Zahlungen laufen in Dollar, Rohstoffe handeln Unternehmen fast ausschließlich in Dollar. "Dollar is king", sagt Devisenanalystin Sonja Marten von der DZ Bank.

Dieses Drohpotenzial nutzt Trump, wenn er über Sanktionen gegen Iran oder Russland spricht. So könnte er beispielsweise iranische Banken vom internationalen Zahlungsverkehr weitgehend abschneiden, russischen Banken das Handeln in Dollar verbieten. Oder internationalen Banken auch außerhalb der USA hohe Strafen aufbrummen, wenn sie in Dollar handeln und zeitgleich mit Iran Geschäfte machen. Dass das keine leere Drohung ist, musste die Commerzbank 2015 erfahren. Weil sie für Kunden Transaktionen im Iran und Sudan ausgeführt haben soll, musste sie 1,45 Milliarden Dollar Strafe zahlen.

Immer wieder diskutieren Experten daher Alternativen zum Dollar: Welche andere Währung könnte ihm den Titel als Weltleitwährung streitig machen? Während aktuell rund 60 Prozent aller Devisenreserven auf Dollar lauten, macht der Euro gute 20 Prozent aus. Während 39 Prozent aller Transaktionen über das internationale Zahlungssystem Swift in Dollar laufen, holt der Euro in den letzten Jahren wieder auf. Er macht nun 34 Prozent aus. Dass der Euro den Dollar bald jedoch vom Währungs-Thron stoßen dürfte, glaubt kaum jemand. Viele Investoren sorgen sich längst wieder, dass der Euro auseinanderbrechen könnte. Erst im Frühjahr hatten Politiker in Italien ein Euro-Aus des Landes ins Spiel gebracht. "Die Italienepisode hat wieder einmal gezeigt, wie anfällig der Euro ist" sagt Thu Lan Nguyen, Devisenexpertin der Commerzbank.

Könnte am Ende der chinesische Renminbi das Rennen machen?

Auch praktisch müssten Länder mit einem Handelsüberschuss ihr Geld irgendwo anlegen. In Dollar ist das leicht möglich, der Markt für US-Staatsanleihen ist extrem groß und liquide. Einheitliche Eurostaatsanleihen gibt es jedoch nicht und allein der Markt für deutsche Bundesanleihen ist viel zu klein, um einen Schwall an Kapital zu absorbieren. "Das erschwert es enorm, dem Euro zu mehr Gewicht zu verhelfen", sagt Devisenexpertin Marten.

Könnte am Ende also der chinesische Renminbi das Rennen machen? Auch daran haben Experten ihre Zweifel. Denn der Renminbi ist noch nicht frei konvertibel, die chinesische Regierung hat Kapitalkontrollen erlassen. Dass sich daran schnell etwas ändert, glaubt am Devisenmarkt niemand. Als die Regierung 2015 versuchte, den Devisenmarkt zu öffnen, floss viel zu schnell viel zu viel Geld ab. "Das war eine regelrechte Kapitalflucht", sagt Devisenexpertin Thu Lan Nguyen. Auch wenn der Dollar schon vielfach totgesagt wurde, am Ende lebt er länger.

Wirtschafts- und Finanzpolitik Trump übt ungewöhnliche Kritik an US-Notenbank

Geldpolitik

Trump übt ungewöhnliche Kritik an US-Notenbank

Es gilt als ungeschriebenes Gesetz, dass US-Präsidenten sich nicht zur Geldpolitik der US-Notenbank Fed äußern. Donald Trump hat trotzdem genau das getan - und Kritik an den Zinserhöhungen geübt.