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Lebensmittel:Landwirtschaftsministerin drängt auf nationales Tierwohllabel

Waldputen wachsen unter Bäumen auf

Glückliche Puten: Ein staatliches Tierwohllabel soll für gute Tierhaltung sorgen - dem Entwurf dazu gelingt das nicht, kritisiert Greenpeace.

(Foto: Jens Büttner/dpa)
  • Ministerin Julia Klöckner will mit Verbänden und Vertretern der Lebensmittelbranche an diesem Donnerstag einen ersten Logo-Entwurf besprechen.
  • Es soll bereits im kommenden Jahr eingeführt werden - doch Umwelt- und Tierschützer halten das Papier für zu lax.

Von Markus Balser, Berlin

Wie Schweine, Rinder oder Hühner gelebt haben, deren Fleisch in der Kühltheke liegt? Für Verbraucher ist das bis heute nur selten zu erkennen. Zwar wüssten aktuellen Umfragen zufolge fast 80 Prozent der Deutschen gerne, ob Lebensmittel aus tierfreundlicher Haltung kommen. Doch das wichtigste Unterscheidungsmerkmal beim Fleisch ist oft der Preis.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) will das mit einem staatlichen Tierwohllabel ändern. Bereits im nächsten Jahr soll im Handel mit einem Logo für Verbraucher erkennbar werden, wenn Tiere besser gehalten wurden, als es das Gesetz vorschreibt. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung will Klöckner mit Verbänden und Vertretern der Lebensmittelbranche an diesem Donnerstag einen erster Entwurf besprechen. Doch schon vorher entbrennt Streit. Umwelt- und Tierschützer halten das Papier, das der SZ vorliegt, für zu lax.

Kaum Verbesserungen

Vorbild des staatlichen Programms soll die Initiative Tierwohl sein, ein Zusammenschluss von Handelsketten. Die Initiative solle nun Vorgaben für das staatliche Label vorschlagen, die über den eigenen liegen. Doch der vierseitige Entwurf, den die Initiative am Donnerstag im Ministerium präsentieren will, bietet Kritikern zufolge kaum Verbesserungen. Nur an zwei Stellen geht er über das eigene Label hinaus, heißt es etwa bei Greenpeace. Kleine Verbesserungen seien nur beim Platzangebot und beim Futter geplant. So sollen etwa Schweine im Stall zehn bis 15 Prozent mehr Platz bekommen, als im Gesetz festgeschrieben. Nötig seien 40 Prozent, erklärt ein Bündnis von Umweltverbänden um Greenpeace. Zwar soll Raufutter wie Heu oder Stroh zur Pflicht werden. Umstrittene Praktiken wie das Kürzen von Ringelschwänzen seien demnach aber weiter möglich. Ein ausgewachsenes Schwein bekäme einen DIN A4-Blatt großen zusätzlichen Platz. So schaffe das staatliche Siegel keine nennenswerte Verbesserung. Nicht einmal das Tierschutzgesetz würde eingehalten.

Das Landwirtschaftsministerin wollte die Vorschläge nicht bewerten. Ministerin Julia Klöckner teilte mit, sie wolle "das Kennzeichen so attraktiv machen, dass viele Landwirte mitmachen und sich dadurch die Haltungsbedingungen der Nutztiere spürbar verbessern." Die Branche hält dagegen, dass die Forderungen der Tierschutzorganisationen nur wenige Betriebe umsetzen und nur wenige Verbraucher die teuren Produkte kaufen würden. Man habe für Schweine einen Vorschlag für bessere Haltungsbedingungen gemacht, der von einer größeren Zahl von Betrieben umgesetzt werden könne.

© SZ vom 05.07.2018/hgn
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