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Lebensmittel - Hannover:Zuckerbranche warnt vor verschärfter Krise nach Rübenernte

Braunschweig (dpa/lni) - Kurz vor dem Anlaufen der Zuckerproduktion in Niedersachsen warnt der Landesbauernverband vor den Auswirkungen einer schwachen Saison. "Eine weitere schlechte Rübenernte nacheinander wäre fatal", sagte der Vizepräsident des Landvolks, Ulrich Löhr, der Deutschen Presse-Agentur. Nach dem heißen und trockenen Sommer hatte das Landesamt für Statistik gravierende Einbußen bei den Hektar-Erträgen verbucht. Bei Zuckerrüben betrug das Minus demnach knapp zehn Prozent.

"Wir hoffen jetzt auf ein Ergebnis, das es sowohl Erzeugern als auch Verarbeitern ermöglicht, hier dauerhaft regional Zucker zu erzeugen", sagte Löhr. Das sei für die aktuelle Kampagne durchaus noch möglich. "Dafür bräuchten wir aber kurzfristig auf jeden Fall ergiebigen Landregen", sagte er. Als Kampagne wird in der Branche der Zeitraum bezeichnet, in dem die Rüben in den Fabriken zu Zucker verarbeitet werden. Sie dauert in der Regel von Mitte September bis Januar.

Für die diesjährige Kampagne in Europa rechnet der Produzent Nordzucker im Schnitt mit einem Ertragsniveau etwa auf Vorjahresniveau. "In einigen Gebieten gab es in diesem Jahr genug Regen, in anderen Regionen erwarten wir aber deutliche Ertragseinbußen", sagte Konzernvorstand Lars Gorissen. Den Produktionsstart für die vier niedersächsischen Werke kündigte das Unternehmen mit Hauptsitz in Braunschweig für den Zeitraum vom 13. bis 19. September an. Das Werk in Klein Wanzleben (Sachsen-Anhalt) soll am 26. September starten.

Die bislang letzte Rübenernte war für Nordzucker mit einem Zuckerertrag um 10 bis 15 Prozent unter dem Vorjahr unterdurchschnittlich ausgefallen. Der weltweite Verfall des Zuckerpreises hatte die Nordzucker-Gruppe im vergangenen Geschäftsjahr in die roten Zahlen gedrückt. Ein Sparkurs mit betriebsbedingten Kündigungen war eine der Folgen.

Vor einer weiteren Verschärfung der Krise im Zuckersektor warnt die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker (WVZ): Die Rübenanbaufläche sei bundesweit um etwa 15 000 Hektar auf 375 000 Hektar gesunken. Die erwartete Zuckererzeugung liege auf dem Niveau des Dürrejahres 2018. Neben witterungsbedingten Ausfällen liege dies auch an "fortdauernden Wettbewerbsverzerrungen zu Lasten deutscher Anbauer", sagte WVZ-Geschäftsführer Günter Tissen.