Leben in Deutschland:Armut ist erblich

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Credit: SZ-Grafik; Quelle: Unicef

Der Zusammenhang zwischen Bildungsarmut und Armut ist vielfach belegt. Das Bildungspaket, das die Bundesregierung vor gut fünf Jahren aufgelegt hat, bringt da wenig. Beispiel Nachhilfestunden: 14 Prozent der Schüler bekommen Nachhilfe, in der Oberstufe sogar 30 Prozent. Aber nur vier Prozent sozial benachteiligter Kinder nehmen die Zuschüsse in Anspruch.

Wer als Kind in einem Umfeld startet, in dem Geld und Zuwendung Mangelware sind, hat es sein Leben lang schwerer. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit, die sozusagen an der Quelle sitzt, kommt gar zu dem Schluss: Armut ist erblich. Im "Monitor Jugendarmut" heißt es: "Armut wird zu oft über Generationen von Eltern an Kinder weitergereicht." Das Risiko, arm zu werden, steige bei Migrationshintergrund, Behinderung oder Bildungsnot. Eine Spirale, die sich weiterdreht. 61 Prozent der Jugendlichen, die ohne Hauptschulabschluss die Schule verlassen, bleiben später ohne Berufsausbildung. Simon Rapp vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend warnt in der Studie: "Die Erfahrung, nicht gebraucht und nicht wertgeschätzt zu werden, fördert die Motivationslosigkeit."

Dass das Leben in Armut negative Auswirkungen auf Glück und Erfolg später hat, können die Sozialforscher in Zahlen belegen: Wer als Kind dauerhaft unterhalb der Armutsgrenze lebt, ist als Erwachsener deutlich unzufriedener mit seinem Leben. Auch das Wesen der Kinderarmut hat sich in den vergangenen Jahrzehnten gewandelt: Die Kategorisierung "Oben" und "Unten" gibt es nicht mehr. "Früher hieß es: Wenn du dich sehr anstrengst, kommst du nach oben. Wir aber wachsen in eine Gesellschaft hinein, in der es nur ein Drinnen und Draußen gibt. Wenn schon ein Zwölfjähriger sagt, ich werde Hartzer - dann ist der draußen", sagt Heinz Hilgers, Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes.

Wer genau hinschaut, sieht die armen Kinder schon in Deutschland: Sie stehen Schlange an den Tafeln, die Lebensmittel verteilen. Laut Bundesverband Deutsche Tafel sind 24 Prozent der Bedürftigen dort Jugendliche unter 18 Jahren. Das sind etwa 350 000 junge Menschen.

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