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Leben im Alter:Investitionen in Beziehungen

In einer Zeit wie unserer nimmt Arbeit sehr viel Raum ein. Womöglich ist das der Grund, warum viele Menschen, solange sie noch arbeiten, die Freunde, die Familie, das gesellschaftliche Leben vergessen. Mancher merkt erst beim Renteneintritt, dass es eben einen Unterschied gibt zwischen Geschäftskontakten, mit denen man gelegentlich Golf spielt, und richtigen Freunden, die sich auch noch für einen interessieren, wenn man keinen für sie nützlichen Job mehr hat.

In seine Beziehungen zu anderen Menschen Zeit, Aufmerksamkeit, Energie zu investieren, ist deshalb auch eine Säule der Altersvorsorge: Wer gelegentlich die Kinder der Nachbarn hütet, darf darauf hoffen, dass diese Nachbarn ihm später mal mit den Einkäufen helfen. Wer seinen Enkeln gegenüber offen, zugewandt und tolerant ist, erhöht seine Chancen, dass sie gerne und freiwillig zu Besuch kommen. Alle anderen müssen eben mit dem Pflichttermin zu Weihnachten und Ostern zufrieden sein.

Altersvorsorge kann aber auch bedeuten, den Fokus zwischendurch auf die eigene Weiterentwicklung zu legen. Sich auszuprobieren, neuen Interessen nachzugehen, eingefahrene Verhaltensmuster zu überwinden. Das führt im Idealfall erstens dazu, dass man sich im Alter mit sich selbst nicht langweilt. Und zweitens dazu, dass man als Person interessant wird oder bleibt - und damit auch ein Gesprächspartner für andere aufregende Leute. Und drittens vielleicht auch dazu, im Kopf so flexibel wie möglich zu bleiben. Denn das ist, gerade in Zeiten, die sich so schnell ändern und die so schwer vorhersehbar sind, eine zentrale Qualität, auch, um die chaotischen Zeiten dennoch genießen zu können.

Wette auf die Zukunft

Vielleicht kann man also die Angst vor dem Leben im Alter mildern, wenn man sich verdeutlicht, dass Vorsorge heute eben auch bedeutet, Abschied nehmen zu können: von Dingen, von Gewohnheiten, von alten Vorstellungen. Das mag manchmal schmerzhaft sein, aber diese Fähigkeit zum Loslassen ist es eben auch, die es ermöglicht, seine Vorsorge für die späte Lebensphase auf mehreren Säulen aufzubauen als nur auf der gesetzlichen, der betrieblichen und der privaten Rente.

Vorsorge ist immer eine Wette auf die Zukunft. Vermutlich wird nur bei wenigen Menschen in jedem Bereich ihres Lebens alles genauso klappen, wie sie es geplant haben. Wer sein Leben ausgekostet hat, so gut es irgendwie ging, muss am Ende nicht den verpassten Chancen früherer Jahre hinterhertrauern. Das macht vieles leichter. Und wer sich auf vielen verschiedenen Ebenen darum gekümmert hat, wie sein Leben später mal aussehen soll, hat zumindest seine Chancen optimiert, irgendwann sagen zu können: Es ist schlussendlich ja doch alles ziemlich gut gelaufen.

Reicht die Rente in Zukunft zum Leben? Wie kann ich zusätzlich vorsorgen? Wie ändert sich das Leben alter Menschen? Die SZ-Serie "Unsere Zukunft, unsere Rente" beschäftigt sich mit den wichtigsten Aspekten des Ruhestands.

© SZ vom 20.08.2016/hgn

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