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Renteneintritt:Gabriel nennt Rente mit 69 "bekloppte Idee"

  • Sigmar Gabriel ist strikt dagegen, das Renteneintrittsalter zwischen 2030 und 2060 auf 69 Jahre anzuheben.
  • Das hatte die Bundesbank am Montag in ihrem Monatsbericht vorgeschlagen.
  • Derzeit liegt die gesetzliche Regelaltersgrenze für den Renteneintritt bei 65 Jahren und fünf Monaten.

SPD-Chef Sigmar Gabriel hat Vorschläge aus der Bundesbank für eine Rente erst ab 69 Jahren entschieden zurückgewiesen. "Ein Facharbeiter, eine Verkäuferin, eine Krankenschwester, eine Altenpflegerin hält das für eine bekloppte Idee. Ich auch", sagte der Vizekanzler und Wirtschaftsminister am Dienstag. Auf solche Ideen könne man nur als Banker bei der Zentralbank kommen. "Das sind alles Leute mit hohem Einkommen, geringer körperlicher Belastung, einer hohen Lebenserwartung und sehr großen Renten", so Gabriel.

Die Bundesbank hatte in ihrem Monatsbericht vorgeschlagen, das Renteneintrittsalter zwischen 2030 und 2060 auf 69 Jahre anzuheben. Die "aktuell günstige Finanzlage" dürfe "nicht darüber hinwegtäuschen, dass weitere Anpassungen unvermeidlich sind, um die finanzielle Tragfähigkeit sicherzustellen", heißt es darin. Eine Reform der gesetzlichen Rentenversicherung dürfe nicht immer weiter aufgeschoben werden.

Die Bundesbank ist mir ihrer Forderung nicht allein

Die Bundesbank hatte in der Vergangenheit schon mehrfach gefordert, die Lebensarbeitszeit weiter zu verlängern. Dafür spricht sich auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) aus. Er plädiert wie die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) dafür, die Altersgrenze an die Lebenserwartung zu koppeln, so wie dies etwa in Dänemark bereits der Fall ist.

Auch das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) macht sich für ein längeres Arbeiten stark, da zukünftig immer weniger Beitragszahler immer mehr Rentner finanzieren müssen. Um das zu verhindern, müsste nach den Berechnungen des IW bereits 2030 die Altersgrenze auf 69 Jahre steigen. 2035 wären demnach 71 Jahre nötig, 2041 sogar 73 Jahre. Die Forscher wollen ihre Modellrechnung aber zunächst als "Gedankenexperiment" gewertet wissen.

Derzeit beginnt die reguläre Altersrente ohne Abschläge mit 65 Jahren und fünf Monaten. Bis zum Jahr 2031 wird die Altersgrenze schrittweise auf 67 Jahre erhöht. Wer 45 Versicherungsjahre aufweist, kann bereits mit 63 Jahren ohne Abzüge von der Rente in den Ruhestand gehen.

© SZ.de/rtr/vit
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