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Lohnunterschiede:Wie viel sollen Chefs verdienen dürfen?

  • Die gerechte Höhe von Managergehältern ist umstritten. In den USA ist darüber nun eine neue Debatte entbrannt.
  • US-Unternehmen müssen nun offenbaren, wieviel die Chefs im Vergleich zu normalen Angestellten verdienen.
  • In Deutschland gibt es eine solche Regel nicht.

Die Vorstandsvorsitzenden deutscher Aktiengesellschaften unterscheiden sich stark - auch was die Vergütung angeht. Spitzenverdiener unter den Chefs der 30 größten börsennotierten Dax-Konzerne war 2014 mal wieder Martin Winterkorn. Der Boss von Volkswagen, dem mit Abstand größten deutschen Industrieunternehmen, hat im vergangenen Geschäftsjahr 15,86 Millionen Euro bezogen, der größte Teil davon entfällt auf Boni. Es folgen die Kollegen Dieter Zetsche (Daimler) und Frank Appel (Deutsche Post) mit 14,2 Millionen Euro und 9,6 Millionen Euro. Am Ende steht Infineon-Vorstandschef Reinhard Ploss, der auf zwei Millionen Euro kommt - und damit noch immer ein Vielfaches von dem erhält, was der Chipkonzern gewöhnlichen Mitarbeitern zahlt.

Welche Gehälter für Unternehmenschefs sind angemessen? Wie viel darf ein Manager verdienen? Ist er angesichts seiner Verantwortung unterbezahlt oder sind die Summen schon unanständig hoch - insbesondere wenn man die durchschnittlichen Gehälter betrachtet? Diese Diskussion wurde und wird auch in Deutschland geführt. Eine Folge: Seit gut zehn Jahren müssen börsennotierte Unternehmen die Bezüge der Vorstandsmitglieder einzeln ausweisen. Nur durch einen Mehrheitsbeschluss der Aktionäre können sie davon abweichen. Das Medienunternehmen Axel Springer etwa gibt nur die Gesamtsumme der Vorstandsbezüge an.

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Viele Amerikaner stört die wachsende Ungleichheit im Land. Dass Konzerne nun die Lohnunterschiede im eigenen Haus veröffentlichen müssen, heizt die Debatte weiter an.   Von Claus Hulverscheidt

Vorschriften, wie sie jetzt in den USA umgesetzt werden, wonach Unternehmen die mittleren Löhne ihrer Angestellten sowie das Chefgehalt veröffentlichen sollen, gibt es nicht. "Eine Durchschnittszahl sagt alles und nichts", heißt es dazu aus einem Münchner Konzern. Die Gehälter würden in Deutschland stark variieren, noch größer seien die Abweichungen innerhalb eines Konzerns, wenn man alle weltweit Beschäftigten einbezieht. Klar ist aber auch: Die Managerbezüge sind in den vergangenen Jahren stärker gestiegen als die Löhne.

Bekannt ist zudem, dass das Durchschnittseinkommen aller gesetzlich Rentenversicherten in den alten Bundesländern bei 35 000 Euro liegt, die Mitarbeiter deutscher Konzerne lagen aber deutlich darüber. Wer zum Beispiel einen IG-Metall-Tariflohn in Bayern bekommt, trägt bis zu 70 000 Euro im Jahr nach Hause. Volkswagen, Daimler, Post, Telekom - sie alle bezahlen in Haustarifverträgen noch besser. Auch in Deutschland kam es immer wieder zu Initiativen, die Manager-Gehälter zu begrenzen. Vor der jüngsten Bundestagswahl sagte Kanzlerin Angela Merkel: "Ich verstehe sehr gut, wenn Menschen über manche Gehälter, die völlig aus dem Rahmen fallen, nur noch den Kopf schütteln können." Maßlosigkeit, so die CDU-Chefin, dürfe "in einer freien und sozialen Gesellschaft nicht sein".