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Kultur & Wirtschaft: Anke Doberauer:"Kunst unterliegt einem Modediktat"

Die Malerin und Kunstprofessorin Anke Doberauer beklagt den Jugendwahn der internationalen Kunstszene. Unter den Galeristen findet sie immer weniger Kunstkenner - und immer mehr Geschäftsleute. Weshalb sie ihren Schülern manchmal rät, ihre Bilder nicht zu verkaufen.

Männer sind das große Thema von Anke Doberauer: Androgyn, verletzlich, begehrenswert, so bringt die Malerin sie seit 20 Jahren auf lebensgroße Leinwände. Die Professorin an der Akademie der Bildenden Künste in München, die auch in Marseille lebt, ist eine der wichtigsten zeitgenössischen Malerinnen. Bekannt wurde sie unter anderem durch monumentale Panoramabilder und die Rektorenbildnisse der Universität Jena. Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung spricht sie über Kunst und Geld - und über das Verhältnis des Künstlers zur Wirtschaft.

Art Basel International Contemporary Art Fair Opening

Besucher bei der Kunstmesse Art Basel: "Sich diesen Kunst-Overkill anzusehen, ist für einen Künstler visuell immer eine zumutung", sagt Anke Doberauer.

(Foto: Getty Images)

SZ: Frau Professor Doberauer, in München läuft gerade die Jahresausstellung der Akademie der Bildenden Künste. Ist das für Ihre Studenten eine erste gute Gelegenheit, an Geld zu kommen?

Doberauer: Zunächst einmal bekommen sie Resonanz. Es kommen Kunstinteressierte, Neugierige, aber auch ein paar Sammler und Galeristen.

SZ: Gucken die nur oder kaufen die auch?

Doberauer: Die kaufen auch. In den vergangenen Jahren war das ganz extrem. Als ich 2003 hier anfing, bin ich aus allen Wolken gefallen. In Frankreich, wo ich auch lebe, haben selbst arrivierte Künstler Mühe, ihre Arbeiten zu verkaufen. Hier in Deutschland jammerten die Studenten mir vor, dass sie drei Interessenten für ein Bild hätten und nicht wüssten, wem sie es verkaufen sollen.

SZ: Welchen Rat haben Sie diesen Studenten gegeben? Verkauf es dem, der am meisten zahlt?

Doberauer: Eben nicht. Ich habe gesagt, guckt euch die Leute an. Welche Folgen hat die Wahl für die Karriere? Ist das jemand, der sammelt - oder jemand, der einfach nur zu viel Geld hat? Manchmal habe ich auch dazu geraten, die Bilder zu behalten, gerade wenn ein Student sehr viel Zeit investiert hat und die Arbeit Teil einer Serie werden soll. Ich weiß, dass die Studenten sich manchmal von einem Werk trennen müssen, weil sie mit ihren popeligen Nebenjobs nicht über die Runden kommen. Aber der Verkauf ist nicht das Wichtigste.

SZ: Sondern?

Doberauer: Verkaufen kann jeder. Für Studenten ist es eher eine Notlösung. Das Wichtigste ist, eine Karriere in Gang zu bekommen, die dann hoffentlich irgendwann in gute Verkäufe mündet.

SZ: Können Ihre Studenten schon von ihrer Kunst leben?

Doberauer: Eigentlich nicht. Selbst bei etablierten Künstlern ist das häufig eine Mischfinanzierung: hier mal ein paar Verkäufe, da mal ein Auftrag oder ein kleiner Job.