Krisengipfel zu Griechenland:Jetzt muss Tsipras handeln

Die Euro-Länder nehmen Athen ernst, das haben sie auf dem Sondergipfel gezeigt. Doch die griechische Regierung muss jetzt endlich Sparauflagen umsetzen. Nur so kann sie verhindern, was keiner will.

Kommentar von Alexander Mühlauer, Brüssel

Der Gipfel war ein Erfolg - zumindest für Alexis Tsipras. Seit seiner Wahl zum griechischen Premier forderte er die europäischen Partner auf, den Schuldenstreit mit Athen auf höchster politischer Ebene zu besprechen. Tspiras wollte reden. Er wollte gehört werden. Und genau das geschah am Montagabend.

18 Staats- und Regierungschef waren nach Brüssel gereist, um mit Tsipras zu sprechen. Über Schuld und Schulden. Doch viel wichtiger als die inhaltliche Debatte war das politische Signal, das die Länder der Euro-Zone an diesem Abend aussandten: Wir nehmen Tsipras ernst; ganz einfach deshalb, weil er demokratisch gewählt wurde. Und vor allem nehmen wir Griechenland ernst; ganz einfach deshalb, weil es ein Teil der europäischen Währungsunion ist.

Zeigen, dass alles getan wurde

Damit das auch so bleibt, muss Athen das tun, was die Gemeinschaft der Euro-Länder zusammenhält: Es muss verloren gegangenes Vertrauen wieder zurückgewinnen. Und das geht nur, wenn die griechische Regierung nun endlich Sparauflagen umsetzt. Immerhin machen die neuen Vorschläge aus Griechenland Hoffnung.

Jetzt liegt es an den Unterhändlern einen Kompromiss zu finden, mit dem beide Seiten, im wahrsten Sinne des Wortes, leben können. Denn darum geht es ja: Griechenland und die Gläubiger müssen den Bürgern Europas zeigen, dass sie bis zuletzt alles, aber auch wirklich alles getan haben, um den bestmöglichen Kompromiss zu finden. Nur so werden die Parlamente in Athen, Helsinki, Berlin und anderswo diesen Kompromiss annehmen.

Es ist also kein Wunder, dass sowohl Griechenland als auch seine Gläubiger die Zeit bis zuletzt ausreizen werden. Der nächste Gipfel beginnt am Donnerstag. Viel Zeit bleibt nicht mehr, aber immer noch genug, um das zu verhindern, was keiner will: das Ende Griechenlands in der europäischen Gemeinschaft.

© SZ.de/gal
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