Kreditausfallversicherungen für griechische Anleihen "Nur ein Tropfen auf den heißen Stein"

Der Schuldenschnitt für Griechenland musste teilweise erzwungen werden. Damit ist nun genau jenes "Kreditereignis" eingetroffen, vor dem Finanzexperten und Bankenvertreter immer gewarnt hatten. Doch der Schaden durch die Versicherungen für Kreditausfällle ist überschaubar. Wurden die Ängste bewusst geschürt?

Von Simone Boehringer

Sie zahlt, sie zahlt nicht, sie zahlt! Die Versicherungen für Kreditausfälle griechischer Schuldner (CDS) werden fällig, hat der internationale Derivateverband ISDA zum Wochenende beschlossen und damit wochenlangen Spekulationen ein Ende gesetzt. Der Grund: Die griechische Regierung kann nach Zustimmung einer Mehrheit der Gläubiger die restlichen Anleihebesitzer über eine Klausel zwingen, dem Schuldenschnitt zuzustimmen. Sie verzichten damit nicht freiwillig auf ihr Geld. Für solche Fälle hatten sie sich versichert.

Damit ist nun genau jenes "Kreditereignis" eingetroffen, vor dem Finanzexperten und Vertreter großer Banken seit Beginn der griechischen Schuldenmisere immer gewarnt hatten. Mehr noch: Die sogenannten Credit Default Swaps (CDS) könnten "ein zweites Lehman" bedeuten, also das gesamte Finanzsystem gefährden, hieß es. Und jetzt? Scheint die Situation doch beherrschbar.

Unmittelbar nach Bekanntgabe des Schuldenschnitts für Griechenland vergangene Woche bemühten sich diverse Experten und Börseninvestoren festzustellen, dass keine systemgefährdenden Risiken mehr zu befürchten seien. Kreditexperten der Commerzbank bezifferten das für den 100 Milliarden schweren Teilausfall griechischer Staatsanleihen relevante Volumen an CDS auf 3,2 Milliarden US-Dollar. Nach Zahlen des Derivateverbandes reduziert sich die Zahl sogar auf 2,5 Milliarden Dollar. "Im Vergleich zu den Abschreibungen bei den zugrunde liegenden Anleihen erscheint das wie ein Tropfen auf den heißen Stein", heißt es dazu im Marktbericht der zweitgrößten deutschen Bank.

"To-big-to-fail-Politik"

Zum Vergleich: Die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers hatte 2008 CDS im Volumen von sechs Milliarden Dollar ausgelöst und damit die Ängste vor einem Gesamtzusammenbruch des internationalen Finanzsystems erheblich verstärkt. Die Politik hatte sich deshalb von der Geldbranche zu einer "To-big-to-fail"-Politik überreden lassen und seitdem jede größere Bank vor einer Pleite gerettet. Das Brutto-Volumen ausstehender Kreditausfallversicherungen betrug zu Zeiten der Lehman-Pleite laut Commerzbank 72 Milliarden Dollar, heute seien es 69 Milliarden Dollar.

Die Unterschiede sind demnach also nicht groß. Kann sein, dass einige Marktteilnehmer ihr CDS-Engagement erst jüngst reduzierten, nachdem es zunächst hieß, die Versicherung werde im Zuge des Schuldenschnitts nicht greifen. Aber manchen Marktbeobachtern drängte sich zuletzt auch der Verdacht auf, interessierte Kreise hätten die Lage übertrieben dargestellt, um für die eigene Branche das Beste herauszuholen. "Im Nachhinein sieht es so aus, als wäre die Gefahr von Investoren bewusst geschürt worden, um die Politik vielleicht doch noch dazu zu bringen, dass es zu keinem Schuldenschnitt kommt und der Steuerzahler einspringt", sagte Christoph Kaserer, Professor für Finanzmanagement an der Technischen Universität München.

Teilweise kommt es ja auch so. Zwar waren ausdrücklich private Gläubiger zum Schuldenschnitt aufgefordert worden und damit vorwiegend Banken, Versicherungen und Pensionskassen. Ein nicht unerheblicher Teil der infrage stehenden griechischen Anleihen liegt aber in den Portfolien verstaatlichter Institute, darunter die bundeseigenen Bad Banks FMS Wertmanagement (HRE) und Erste Abwicklungsanstalt (WestLB), sowie bei Landesbanken.

Die 17 Euro-Finanzminister beraten an diesem Montag in Brüssel über die Rettung Griechenlands. Sie hatten bereits am Freitag 35 Milliarden Euro aus dem zweiten Hilfspaket für das Land auf den Weg gebracht. IWF-Chefin Christine Lagarde hat 28 Milliarden Euro aus ihrem Topf in Aussicht gestellt. Insgesamt soll Athen 130 Milliarden Euro bekommen. Das meiste fließt in den Schuldendienst.