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Kosten der Sturm-Katastrophe:Anfälliges Stromnetz, kaum Investitionen

Auch auf die Fluggesellschaften kommen erhebliche Kosten zu. Insgesamt 14.600 Flüge wurden bis zum Montagabend gestrichen, das sind mehr als beim Hurrikan Irene (10.000). Der amerikanische Einzelhandel könnte getroffen werden, weil der Sturm die Ostküste einen Tag vor dem 31. Oktober verwüstete, der in Amerika als "Halloween" traditionell von den Kindern mit Verkleidungen und Straßenumzügen gefeiert wird. Halloween-Produkte sind ein wichtiger Markt für viele Läden.

Viel grundsätzlicherer Art sind die Probleme, denen sich die amerikanischen Stromversorger gegenübersehen. Sechs Millionen Haushalte und Unternehmen waren am Dienstagvormittag entlang der Ostküste ohne Strom. Im Gebiet des New Yorker Elektrizitätswerks Con Edison waren 670.000 Familien betroffen. Die Zahl übertraf selbst die schlimmsten Befürchtungen bei Weitem. Sie war vor allem deshalb so hoch, weil an der 14. Straße in Manhattan ein Umspannwerk überflutet wurde und in Brand geriet. Dadurch lag plötzlich ganz Lower Manhattan im Dunkeln.

Während ein Unfall dieser Art angesichts der Schwere der Katastrophe vermutlich niemals ausgeschlossen werden kann, sind andere Defekte im amerikanischen Stromsystem politisch verschuldet. Seit Jahren wird in die Modernisierung der Netze zu wenig investiert. Das zeigt sich darin, dass Stromleitungen auch in dicht besiedelten Gebieten meist nicht unter der Erde geführt werden, sondern an leichten Holzmasten.

Ein besonders plastisches Beispiel ist der New Yorker Stadtteil Staten Island. Dort sind die meisten Straßen von Alleebäumen gesäumt, die auch bei kleineren Stürmen oder starkem Schneefall auf die Leitungen fallen. Am Dienstag waren in Staten Island 79.000 Haushalte ohne Energie. All dies ist Teil eines tieferen Problems. Zum Vergleich: China investiert jährlich neun Prozent seines Bruttoinlandsprodukts (BIP) in die Infrastruktur, die Europäische Union fünf Prozent. In Amerika sind es nur 2,5 Prozent.

© SZ vom 31.10.2012/feko
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