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Konzerne und Klimaschutz:Wind von vorn

Mächtige Investoren drängen Konzerne zu Ökologie: Unternehmen, denen eine klare Klimaschutzstrategie fehlt, werden von ihnen zunehmend als langfristiges Risiko betrachtet.

Martin Hesse

Es ist noch nicht lange her, da wurde die nachhaltige Geldanlage als Nischenmarkt für Weltverbesserer verspottet. Große Unternehmen scherten sich nicht um die Wünsche von Investoren, die ökologische Kriterien in ihre Anlageentscheidungen einbezogen. Heute stecken allein in Deutschland mehr als 30 Milliarden Euro in Nachhaltigkeitsfonds.

Firmen zittern auch vor dem Druck großer institutioneller Investoren. Im Bild: Windräder vor den Kühltürmen eines Braunkohlekraftwerks.

(Foto: Foto: dpa)

Doch das ist nicht alles: Firmen zittern auch vor dem Druck großer institutioneller Investoren, die von ihnen eine klare Klimastrategie erwarten. "Unternehmen, die bis dato keine oder nur unzureichende Klimaschutzstrategien entwickelt haben, werden von Investoren zunehmend als langfristiges Risiko für deren Portfolios betrachtet", heißt es in einer Studie, die das Institut für Markt-Umwelt-Gesellschaft (Imug) zu Beginn des Klimagipfels in Kopenhagen an diesem Montag veröffentlichen wird.

Und die Konzerne reagieren. Imug hat untersucht, wie die 30 Dax-Konzerne mit dem Klimawandel umgehen. "Die Unternehmen haben sich in den vergangenen zwei Jahren verbessert, aber keines erreicht Höchstnoten", sagt Silke Riedel von Imug. Alle 17 Dax-Unternehmen, die laut Imug ein mittleres bis sehr hohes klimabezogenes Risiko aufweisen, haben Selbstverpflichtungen zum Klimaschutz veröffentlicht. Doch nur sieben dieser Konzerne haben bislang auch die Managementvergütung an Klimaziele geknüpft, wie Imug das fordert. Außerdem beziehe kein Unternehmen mögliche Klimarisiken ausreichend in die Risikoanalyse ein.

Verbesserungsbedarf bei Salzgitter

Gut schneiden die Chemiekonzerne Bayer und BASF ab, erheblichen Verbesserungsbedarf habe der Stahlkonzern Salzgitter. Doch auch bei Firmen, denen Nachhaltigkeitsanalysten ein relativ gutes Zeugnis ausstellen, reicht das Engagement nicht aus. So kritisiert Oliver Rüdel, Analyst bei der Ratingagentur Oekom, dass Bayer und BASF "die Lösungen, die die chemischen Produkte potenziell zum Schutz des Klimas leisten, stärker kommunizieren als den eigenen negativen Beitrag".

Einen laxen Umgang mit Umweltthemen können sich Unternehmen heute kaum noch leisten. "Die großen Investoren wachen auf", sagt Riedel. Im Carbon Disclosure Project (CDP) haben sich 475 Großanleger von Goldman Sachs bis Allianz zusammengetan. Mit 55 Billionen Dollar Anlegergeld im Rücken fragen sie jährlich bei 3700 Konzernen weltweit Klimaschutzstrategien ab. Die Informationen fließen in eine Datenbank für Mitglieder. Die Investoren nutzen dies, um Anlageentscheidungen zu treffen und auf bessere Klimastrategien zu drängen.

Berechtigte Sorge

"Die Unternehmen nehmen an dem Projekt teil, weil sie den Druck der Investoren verspüren", sagt Caspar Blomberg, der das CDP in Deutschland leitet. Mittlerweile füllen alle Dax-Konzerne und 60 Prozent der MDax-Unternehmen die Bögen aus. Die Firmen fürchten, dass Aktionäre abspringen oder Analysten ihre Aktien mit einem Abschlag bewerten, wenn sie sich nicht zur CO2-Reduktion bekennen.

Diese Sorge ist berechtigt. Der Index, in dem Firmen mit der besten Klimastrategie zusammengefasst sind, hat sich laut Blomberg in den vergangenen Jahren deutlich besser entwickelt als ein vergleichbarer globaler Aktienindex. Kopenhagen könnte den Druck noch erhöhen. "Neue Gesetze, Steuern oder CO2-Reduktionsverpflichtungen können die Kostenstrukturen einer Firma dauerhaft verändern", steht in der Imug-Studie. "Einige Branchen müssen ihre Geschäftsmodelle drastisch ändern", glaubt CDP-Mann Blomberg. Es gehe heute für viele Firmen nicht mehr um Nachhaltigkeit, sondern ums Überleben.

© SZ vom 07.12.2009/pfau
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