Zwischen den Zahlen:Ein Bier fürs Klima, bitte!

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Burg Fehmarn Germany 17 November 2018 _German Köng pilsner ost 4 euros in Burg Fehmarn Germany

König Pilsener: künftig mit Abwärme gebraut.

(Foto: Francis Joseph Dean/imago/Dean Pictures)

Mit einem Kasten Bier den Regenwald schützen? Das kennt man. Nun will eine Brauerei in Duisburg die Abwärme des nahen Stahlwerks nutzen. Doch der Plan hat ein Manko.

Von Benedikt Müller-Arnold

An Ratschlägen, wie jede einzelne Person das Klima retten könnte, mangelt es nicht. Doch neueste Erkenntnisse zeigen, dass die Menschheit einen Hebel bislang sträflich vernachlässigt hat: Wer das Schmelzen der Polkappen noch verhindern will, der sollte ein Bier trinken. Oder gleich zwei. Zum Beispiel nach der Lektüre dieses Textes. Oder währenddessen. Die Zeit drängt!

Zugegeben: Die Menschen könnten das wissen. Seit Jahren wirbt Krombacher damit, dass die Brauerei für jeden Kasten einen Quadratmeter Regenwald schützt. Tausende Bäume habe man gepflanzt - das ist löblich. Aber klar: Trinker sind vergesslich. Und während der Corona-Seuche durften sie wochenlang nichts in der Kneipe süffeln. Fatal!

Doch diese Zurückhaltung muss weichen. Denn nun will auch König Pilsener die Eisbären retten. Bislang verfeuert die Duisburger Brauerei Braunkohlenstaub aus dem Rheinischen Revier, um Maische zu erhitzen und Bierwürze zu kochen. Für die Weißwein trinkende Klimabewegung ist das unverantwortlich.

Jetzt aber naht Rettung: Thyssenkrupp will vom nächsten Jahr an Abwärme des Duisburger Stahlwerks in die Brauerei leiten. Eon plant hierfür eine 450 Meter lange Leitung. Das Bundeswirtschaftsministerium fördert das Vorhaben im Rahmen des Wettbewerbs Energieeffizienz. Rotwein trinkende Verwaltungsbeamte sehen darin ein Modellprojekt, die Anliegen der Umweltbewegung mit den Interessen der Schankwirtschaft zu versöhnen.

Unter durstigen Stahlkochern sollen die Pläne indes Unmut hervorrufen. Man sei zwar froh, dass die unsägliche Hitze im Werk wenigstens anderen Leuten nütze, heißt es. Es fehle aber weiterhin eine Pipeline, die das kühle Pils zurück in die Stahlhütte leite, dies sei aber eine Frage der Gerechtigkeit. Die Malocher wollen das weitere Vorgehen bei einem Feierabendbier vor dem Werkstor besprechen.

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