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Kanzlerin besucht Volkswagen:"Ein tolles Stück Deutschland"

18.000 Volkswagen-Mitarbeiter in Halle 11 - und mittendrin Golf-Fahrerin Angela Merkel, die ihre Rolle als Kämpferin für das VW-Gesetz sichtlich genießt.

Sie ist "Golf-Fahrerin seit der deutschen Einheit", sagt sie gleich zu Beginn. Angela Merkel ist an diesem trüben Dienstag mit dem Hubschrauber durch Nieselregen nach Wolfsburg geflogen.

Golf-Fahrerin Merkel im Zwiegespräch mit der VW-Belegschaft.

(Foto: Foto: dpa)

Die Bundeskanzlerin nimmt sich siebzig Minuten Zeit für die Betriebsversammlung in Halle 11 von Volkswagen. Dann werden CDU-Kandidaten für Bürgermeister-Ämter in Hessen und Rheinland-Pfalz ihre nächsten Gesprächspartner sein.

So eine Versammlung am Vormittag mit 18.000 Menschen in einem dreihundert Meter langen Abschnitt einer Halle im Stammwerk des größten deutschen Industrieunternehmens ist auch für Merkel ein "bewegendes Ereignis". Sicher nicht nur wegen des werkseigenen Blasorchesters, das alte Filmmelodien gefühlvoll spielt.

Denn Angela Merkel wäre keine Kanzlerin, wenn sie aus dem sie bewegenden Ereignis nicht eines machen würde, bei dem sie einiges bewegt. Zunächst hebt sie die 205. Betriebsversammlung im VW-Werk Wolfsburg in den Rang eines Ereignisses von mindestens nationaler, wenn nicht globaler Bedeutung.

Zu wenig Regeln, zu wenig Transparenz

Milliarden Menschen in aller Welt verbinden Volkswagen mit Deutschland, meint die Kanzlerin. Und das solle so bleiben. "VW ist ein tolles Stück Deutschland", sorgt Merkel für Stimmung. Das gelte nicht nur wegen der Autos. VW sei auch ein Sinnbild für die Entwicklung der Bundesrepublik, den Willen zum Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg.

Dann sagt sie, worauf hier alle gewartet haben. Die Geschichte von Volkswagen habe dazu geführt, dass es ein VW-Gesetz gab "und auch in Zukunft geben wird". Eine Sperrminorität des Landes Niedersachsen, dem mit gut 20 Prozent zweiten Großaktionär neben Porsche, sei vom Europäischen Gerichtshof nicht verboten worden. Die komplette Bundesregierung sei der tiefen Überzeugung, dass derartige Regeln langfristiges Denken befördern. Sie schadeten keinesfalls der Wettbewerbsfähigkeit von Volkswagen.

Für Merkel macht das gerade in Zeiten der Globalisierung viel Sinn. Denn die jüngste Krise habe gezeigt, dass es an den Finanzmärkten zu wenig Regeln und Transparenz gebe mit der Folge, dass Menschen nun zu leiden haben.

"Nicht ein Einzelner sollte das Sagen haben"

Merkels Parteifreund, der niedersächsische Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Christian Wulff (CDU) hatte zuvor etwas betont, was der kurz vor der Mehrheitsübernahme stehende größte Aktionär Porsche möglicherweise bei seinem Einstieg nicht ausreichend bedacht hat: Niemand, der sich VW-Aktien gekauft habe, könne sagen, von den durch das Gesetz garantierten Sonderrechten des Landes Niedersachsen nicht gewusst zu haben.

Denn die Mitwirkung bei Fragen des Firmensitzes, Standorten und Beherrschungsverträgen seien nicht nur im Gesetz verbrieft gewesen sondern auch in der Satzung der Aktiengesellschaft und die sei sogar älter als das Gesetz.

Bei der Privatisierung von Volkswagen im Jahr 1960 sei nicht ohne Grund festgelegt worden, dass der Bund und das Land Niedersachsen jeweils 20 Prozent übernehmen und 60 Prozent als Volksaktien breit gestreut werden. "Nicht ein Einzelner sollte das Sagen haben. Das gilt auch heute noch."

Lesen Sie im zweiten Teil alles über die Bedeutung des neuen Golfs - und warum die VW-Belegschaft mehr als nur Hochdeutsch kann.

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