Jobabbau Bayers Kahlschlag geht auf Kosten der Allgemeinheit

Dass Firmen Mitarbeiter auf Kosten der Allgemeinheit entsorgen, hat in der Bundesrepublik Tradition.

(Foto: dpa)

Der Konzern hat sich mit dem Kauf von Monsanto übernommen - und leert nun die Alterskasse, bis jungen Menschen nur Brosamen bleiben.

Kommentar von Alexander Hagelüken

Es gibt derzeit mehrere deutsche Unternehmen, die Tausende Arbeitsplätze streichen. Der Fall Bayer ist dennoch besonders. Der Leverkusener Konzern kaufte für viel Geld die Glyphosat-Firma Monsanto, verlor vor Gericht gegen einen Krebskranken und stürzte an der Börse ab. Genau deshalb senken die Manager mit aller Gewalt Kosten. Wie sich nun herausstellt, soll der Personalabbau auch noch zulasten des Rentensystems gehen, also auf Kosten der Allgemeinheit.

Bayer-Arbeiter finden den Jobkahlschlag bitter. "Hauptsache Mon(ey)santo", so lautet ein Slogan. Diesen Frust soll jetzt lindern, dass Beschäftigte schon mit 57 in Ruhestand dürfen. Das passt nicht in eine Zeit, in der die meisten Deutschen ihre Gesundheit mit 70 Jahren gut bis ausgezeichnet finden und die meisten über 80 Jahre alt werden. Aktionen wie die von Bayer senden ein absurdes Signal: Sie leeren die Alterskasse, bis jungen Deutschen nur Brosamen bleiben.

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Dass Firmen Mitarbeiter auf Kosten der Allgemeinheit entsorgen, hat in der Bundesrepublik schlechte Tradition. Als das einstige Wirtschaftswunderland in den 70er-Jahren plötzlich Arbeitslosigkeit erlebte, beschlossen Politiker, Gewerkschaften und Unternehmer, Ältere sollten Jüngeren Platz machen. Bald arbeiteten nicht mehr 80 Prozent der über 55-Jährigen, sondern weniger als die Hälfte. Der Beschäftigung half das kaum. Der heutige Jobboom verdankt sich anderen Faktoren, der umstrittenen Agenda 2010 von Kanzler Gerhard Schröder etwa. Eines bewirkte die Frühverrentung aber: Sie höhlte das Alterssystem finanziell aus.

Deshalb stoppte die Politik sie zur Jahrtausendwende endlich. Und sie erhöhte das Rentenalter. Weil sich die SPD heute von der Schröder-Zeit distanziert, verabschiedete sie sich 2013 von verantwortungsvoller Alterspolitik - und belebte die Frührente wieder. Genau diese sollen nun die Bayer-Arbeiter nutzen.

Insgesamt kostet die von der SPD durchgesetzte Frührente 40 Milliarden Euro

Den Rest könnte der Konzern drauflegen. So wird der Monsanto-Käufer arbeitsfähige Beschäftigte los - und die Gesellschaft zahlt dafür. Insgesamt kostet die von der SPD durchgesetzte Frührente 40 Milliarden Euro bis zum Jahr 2030. Das Gesetz ist bereits dafür verantwortlich, dass ein hoffnungsvoller Trend zerstört wurde: Jahrelang stieg das Alter an, in dem die Deutschen in Ruhestand gehen. Inzwischen stockt diese Entwicklung, die das Alterssystem finanzieren half. Doch damit endet der Wahnsinn noch nicht.

Bayer will seine Beschäftigten mit 57 nach Hause schicken, während die Wirtschaftsverbände lauthals über einen Mangel an Fachkräften klagen, während sie warnen, in einiger Zeit werde der Aufschwung enden, weil wegen Alterung und Kinderknappheit Millionen Arbeitnehmer fehlten. Wie passt das zusammen? Die Wahrheit ist, dass es in der Wirtschaft wie sonst im Leben auch solche und solche gibt. Unternehmen wie die Bahn oder Bosch bemühen sich, ältere Beschäftigte zu halten und weiterzubilden. Sie wollen deren Erfahrung nutzen, weil Studien zeigen, dass ergraute Kollegen genauso produktiv sind wie junge. Die Firmen wollen verhindern, dass ihnen irgendwann Geschäft entgeht, weil Angestellte fehlen.

Es gibt solche weitblickende Firmen. Und es gibt Bayer. Der Konzern hat sich an Monsanto verschluckt und trennt sich dann massenhaft von Mitarbeitern mit 57 Jahren - assistiert von der taumelnden Frührentenpartei SPD.

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