bedeckt München 24°

Jeff Bezos:"Der Artikel beschreibt nicht das Amazon, das ich kenne"

  • Jeff Bezos distanziert sich von einem Artikel in der New York Times.
  • Sollten die Verhältnissen allerdings doch so sein, wie im Artikel dargestellt, sollten sich die betroffenen Kollegen bei ihm melden.

Der Samstag war kein guter Tag für Jeff Bezos. In der New York Times erschien online ein unerfreulicher Artikel über Amazon - sein Unternehmen: Er hat es 1994 gegründet. Die Vorwürfe in dem Text wiegen schwer. Das Betriebsklima bei Amazon sei - gelinde gesagt - schroff, berichtet die Zeitung. Ihre Quelle: 100 Amazon-Mitarbeiter, aktuelle wie ehemalige.

Bericht über Amazon-Mitarbeit

Düsterer Blick ins Innere von Amazon

Vier Tage durcharbeiten, weinende Mitarbeiter, petzen für den Karriereschub? Die "New York Times" befragt Amazon-Mitarbeiter nach dem Betriebsklima. Das Ergebnis ist erschütternd.   Von Franziska Schwarz

"Ich habe fast jeden, mit dem ich arbeitete, am Schreibtisch weinen gesehen", sagte ein früherer Mitarbeiter aus dem Buch-Marketing. Es ist auch von Fällen die Rede, in denen Menschen nach Familientragödien oder Gesundheitsproblemen ohne Mitgefühl hart rangenommen wurden.

Amazon-Gründer Jeff Bezos wies nun in einer Mail an die "lieben Amazonianer", die von mehreren Technologie-Blogs veröffentlicht wurde, die Angaben in dem vielbeachteten Bericht zurück - und empfahl gleich auch eine Art Gegendarstellung eines Amazon-Mitarbieters auf Linkedin, fröhlich bebildert.

Amazon Auch deutsche Amazon-Mitarbeiter berichten von Schikane
Online-Versandhändler

Auch deutsche Amazon-Mitarbeiter berichten von Schikane

Überwachung, gegenseitiges Anschwärzen, rüder Umgangston: Auch in Deutschland herrscht beim weltgrößten Online-Versandhändler offenbar ein beklemmendes Betriebsklima.   Von Claus Hulverscheidt und Kathrin Werner, New York, und Detlef Esslinger

"Der Artikel (in der NYT, Anm. der Red.) beschreibt nicht das Amazon, das ich kenne", betonte Bezos. "Hoffentlich erkennen Sie das Unternehmen darin auch nicht wieder. Hoffentlich haben Sie Spaß bei der Arbeit mit tollen Kollegen (...)."

Der Bericht stelle einzelne Geschichten über "schockierend gefühllose Management-Praktiken" in den Vordergrund, schrieb Bezos in seiner E-Mail. "Ich bin überzeugt, dass jeder, der bei einem Unternehmen arbeitet, wie es in der New York Times beschrieben wurde, wahnsinnig wäre, zu bleiben. Ich weiß, dass ich so ein Unternehmen verlassen würde", schrieb Bezos.

Zugleich rief er die Mitarbeiter auf, wenn ihnen solche Fälle bekannt werden, dies an die Personalabteilung oder direkt an ihn persönlich zu melden. Es müsse eine "Null-Toleranz" gelten gegenüber solchen Fällen von mangelnder Empathie.

Ihr Forum Hat Amazons Leistungsdruck unseren Arbeitsalltag schon erreicht?
Ihr Forum
Ihr Forum

Hat Amazons Leistungsdruck unseren Arbeitsalltag schon erreicht?

Systematische Überwachung, Überfrachtung mit Arbeit und zum Anschwärzen ermutigt. Der US-Konzern Amazon treibt seine Mitarbeiter bis zur Erschöpfung an. Wie sehr hält diese Arbeitsmentalität schon bei uns Einzug?   Diskutieren Sie mit uns.