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Flucht des Automanagers:Japan reagiert erbost auf die Wutrede von Ghosn

Former Nissan chairman Carlos Ghosn's news conference in Beirut

Dass Carlos Ghosn noch mal nach Japan zurückkehrt, gilt als unwahrscheinlich - es gibt zwischen Libanon und Japan kein Auslieferungsabkommen.

(Foto: REUTERS)
  • Dem früheren Chef des Autokonzerns Renault-Nissan, Carlos Ghosn, war kürzlich eine spektakuläre Flucht aus Japan gelungen.
  • Am Mittwoch hatte er seinen ersten öffentlichen Auftritt nach der Flucht.
  • Dabei erhob er schwere Vorwürfe gegen die japanische Justiz.

Japan hat die scharfen Vorwürfe des geflohenen Ex-Automanagers Carlos Ghosn gegen das Justizsystem des Landes vehement zurückgewiesen. Seine "einseitigen" Darstellungen in einer Wutrede in Libanon vom Vortag hätten sein Verhalten nicht rechtfertigen können, sagte Japans Justizministerin Masako Mori.

Sie verteidigte das Rechtssystem ihres Landes. Es sehe angemessene Verfahren vor und werde entsprechend gehandhabt. Bei seinem ersten Auftritt seit seiner Flucht nach Libanon Ende Dezember hatte Ghosn in Beirut alle Beschuldigungen zurückgewiesen. Seine illegale Ausreise könne "niemals vergeben werden", ganz gleich unter welchem Justizsystem, sagte Mori.

Ghosn habe falsche Behauptungen über das Rechtssystem ihres Landes verbreitet, um sein eigenes Verhalten zu rechtfertigen. Er sei als "Geisel" eines Landes gehalten worden, dem er über Jahre gedient habe, hatte Ghosn gesagt.

Das Verfahren in Japan gegen sich stellte er als politisch motiviert dar, um eine engere Anbindung von Nissan an Renault zu verhindern. Es sei eine "Verschwörung" des japanischen Konzerns mit dem dortigen Generalstaatsanwalt. Ghosn ist in Japan unter anderem wegen Verstoßes gegen Börsenauflagen angeklagt. In keinem anderen demokratischen Land der Welt komme man wegen derartiger Vorwürfe ins Gefängnis, sagte er.

"Kategorisch falsch"

Zudem beklagte der 65-Jährige die aus seiner Sicht unmenschlichen Haftbedingungen in Japan. Er sprach von langer Einzelhaft, während der er seine Frau kaum habe sehen dürfen. Nur 30 Minuten am Tag durfte er demnach an die frische Luft. Duschen sei nur zweimal in der Woche erlaubt gewesen.

Dazu habe es stundenlange Befragungen ohne Anwalt gegeben. Mit dieser in Japan üblichen Taktik sollen Angeklagte wie Ghosn nach Meinung von Kritikern unter Druck gesetzt werden, bis sie ein Geständnis unterzeichnen. Kritiker sprechen von "Geisel-Justiz". Japans Regierungssprecher Yoshihide Suga verteidigte indes das Rechtssystem. Grundlegende Menschenrechte würden respektiert, Verfahren seien angemessen. Es könne auch überhaupt nicht sein, dass sich Japans Staatsanwaltschaft an "irgendeiner Art Verschwörung" beteilige, sagte Justizministerin Mori.

Auch die Staatsanwaltschaft des Landes wies Ghosns Vorwürfe als "kategorisch falsch" zurück. Wenn Ghosn irgendetwas zu seinem strafrechtlichen Verfahren zu sagen habe, könne er seine Argumente vor einem japanischen Gericht vortragen und konkrete Beweise vorlegen, erklärte Mori.

Dass Ghosn wieder nach Japan zurückkehrt, gilt jedoch als unwahrscheinlich, da es zwischen Libanon und Japan kein Auslieferungsabkommen gibt. Der frühere Vorstandschef des französisch-japanischen Autobündnisses Renault-Nissan-Mitsubishi war am 19. November 2018 in Tokio festgenommen und angeklagt worden. Im April 2019 wurde er unter strengen Auflagen auf Kaution aus der Untersuchungshaft entlassen. Ghosn soll nun in einer Kiste versteckt geflohen sein. In Beirut wollte Ghosn zu diesem Punkt aber nichts preisgeben - aus Sorge um die Menschen, die ihm geholfen hätten, wie er sagte.

© SZ.de/dpa/hgn/ds
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Die Flucht von Carlos Ghosn ist eine spektakuläre Blamage für Japan, sein Auftritt in Libanon eine Abrechnung. Über einen ehemaligen Autoboss, der sich wegen Betrugs verantworten soll - und sehr genau weiß, wie er seine Gegner schwächen kann.

Von Moritz Baumstieger, Thomas Fromm und Thomas Hahn

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