Immobilienbranche:Vonovia will mit Deutsche Wohnen fusionieren

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FILE PHOTO: New Vonovia headquarters in Bochum

Der Hauptsitz von Vonovia in Bochum.

(Foto: Wolfgang Rattay/Reuters)

Der größte deutsche börsennotierte Wohnungskonzern will sich mit dem kleineren Konkurrenten zusammenschließen und hat bereits ein Angebot gemacht. Dem Berliner Senat sollen dafür Zugeständnisse gemacht werden.

In der deutschen Wohnungsbranche bahnt sich eine Großfusion an. Deutschlands größter Wohnungsvermieter Vonovia will die Nummer zwei auf dem Markt, die Deutsche Wohnen, für etwa 18 Milliarden Euro schlucken. Die beiden Vorstände seien sich bereits über die Konditionen einig, teilte Vonovia am späten Montagabend in Bochum mit.

Durch den Zusammenschluss entsteht der größte Wohnimmobilienkonzern Europas. Die Dimensionen sind gigantisch: Ungefähr 400 000 Wohnungen besitzt Vonovia, etwas mehr als 150 000 die Deutsche Wohnen. Etwa 80 Milliarden Euro wert ist der Wohnungsbestand.

Der Börsenwert des neuen Unternehmens wird voraussichtlich etwa 45 Milliarden Euro betragen und reiht sich im Dax damit zwischen den Chemiekonzern Bayern und den Chiphersteller Infinion ein.

Die Details des Deals wurden bereits bekannt: Vonovia bietet den Anteilseignern 52 Euro für jede Deutsche-Wohnen-Aktie, einschließlich der Dividende für das Jahr 2020 bekämen sie dann 53,03 Euro pro Aktie.

Die jetzt bekanntgewordenen Pläne sind bereits der zweite Versuch einer Fusion. Vor fünf Jahren war Vonovia mit einem 14 Milliarden Euro schweren Übernahmeangebot für die Deutsche Wohnen gescheitert. Damals stellten sich die Aktionäre quer. Sie wollten nicht in ausreichender Zahl ihre Papiere verkaufen. Außerdem hatte Deutsche-Wohnen-Chef Michael Zahn gegen die Fusion gekämpft.

Nun sind die Voraussetzungen günstiger. Beim neuen Anlauf hat Vonovia-Chef Rolf Buch seinen Kollegen Zahn von der Deutsche Wohnungen überzeugen können. Zahn soll sein Stellvertreter im Vorstand des fusionierten Konzerns werden. "Jetzt ist der richtige Moment, die erwiesene Leistungsfähigkeit und Stärken beider Unternehmen zu vereinen. Gemeinsam schaffen wir neue Perspektiven für unsere Mitarbeiter, unsere Mieter und unsere Eigentümer", sagte Zahn. Deutsche-Wohnen-Finanzvorstand Philip Grosse übernimmt den gleichen Posten bei Vonovia.

75 Prozent des Deutsche-Wohnen-Bestandes befinden sich in Berlin

Das geplante Übernahmeangebot ist noch von Bedingungen abhängig. Es müssen so viele Aktionäre einverstanden sein, dass diese 50 Prozent der Aktien auf sich vereinen. Außerdem muss das Bundeskartellamt zustimmen.

Außerdem könnte sich der Berliner Senat gegen die Pläne positionieren. Gerade die Deutsche Wohnen ist in Berlin stark vertreten. Etwa 75 Prozent ihrer Wohnungen befinden sich in der Hauptstadt, bei Vonovia sind es etwas mehr als zehn Prozent der Wohnungen.

Mehrere Bürgerinitiativen fordern die Enteignung großer Immobilienkonzerne zum Wohle der Allgemeinheit. Der Berliner Senat hatte im vergangenen Jahr einen Mietendeckel beschlossen, der genaue Obergrenzen für Wohnungen im Altbestand festlegte. Die Vermieter hatten dagegen vehement protestiert. Sie warnten davor, dass sich Renovierungen dann nicht mehr lohnten - etwa für altersgerechtes Wohnungen oder Maßnahmen zu einem geringeren Energieverbrauch.

Im vergangenen Monat konnten sie einen Sieg verbuchen. Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe kassierte den Mietendeckel - mit der Begründung, dass das Land Berlin seine Gesetzgebungskompetenzen überschritten habe.

Die Stimmung ist also aufgeheizt in Berlin. Vonovia-Chef Buch ist daher daran gelegen, den Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) auf seine Seite zu ziehen. Deshalb sollen dem Land Berlin Zugeständnisse gemacht werden. Man werde ihm einen "Zukunfts- und Sozialpakt" anbieten, gab das Unternehmen am Sonntagabend bekannt. Der sehe vor, dass in den kommenden drei Jahren die Mieten in den von dem neuen Unternehmen gehaltenen Wohnungen maximal um ein Prozent pro Jahr steigen, in den beiden Jahren danach, also 2025 und 2026, würden sie dann nicht stärker erhöht als die Inflationsrate. Zudem sollen die Kosten für die Sanierung des Wohnungsbestandes zum Energiesparen nicht voll auf die Mieter umgelegt werden.

Vonovia und Deutsche Wohnen bieten dem Stadtstaat zudem an, "eine signifikante Anzahl an Wohnungen" aus ihren Beständen zu kaufen.

Das künftige Unternehmen soll den Namen Vonovia SE führen, wie mitgeteilt wurde. Der Sitz soll in Bochum bleiben, das Unternehmen aber aus Bochum und Berlin geführt werden. Außerdem haben die Parteien vereinbart, dass sie im Zusammenhang mit der Transaktion bis Anfang 2024 keine betriebsbedingten Kündigungen aussprechen werden.

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