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Immobilienblase:Schönt China seine Wirtschaftsdaten?

Jetzt, so glauben Beobachter, schlägt das Pendel wieder in die andere Richtung aus: Die Konjunktur wird robuster, aber die Wohnungspreise steigen wieder. "Das könnte eine Katastrophe werden für China", sagt Yi. Der Analyst glaubt sogar, dass das Wachstum und damit die Gefahr einer Blase im vierten Quartal deutlich mehr angestiegen sind als die vom Statistikamt vermeldeten 7,9 Prozent. Der Wert sei nach unten korrigiert, glaubt Yi - und mit seinen Zweifeln ist er nicht alleine. Mit diesen Zahlen solle der neuen Regierung der Weg geebnet werden, ihrer zunehmend kritischen und frustrierten Bevölkerung stramme Wachstumszahlen in ihrem ersten Jahr servieren zu können. Denn die aktuellen Zahlen sind die Vergleichswerte für die Zukunft. Je niedriger sie sind, desto besser für die nächste Statistikrunde. "Das ist immer so nach einem Machtwechsel", sagt er.

Wie Yi sind auch andere Beobachter zudem skeptisch, ob der jüngste Aufschwung nachhaltig ist. Ökonomin Tan Yaling vom China Forex Investment sieht Chinas Wachstumsmodell in einer Sackgasse. "80 Prozent der Bankenkredite und 65 Prozent der Stahlproduktion fließen in den Immobiliensektor, aber 80 Prozent der Menschen können sich keine Wohnung leisten, weil die Preise zu hoch sind", sagt Tan. Es gebe kein Land der Welt, das sich langfristig auf den Immobiliensektor als treibende Wachstumskraft verlassen kann. Dringend erforderlich sei ein Umdenken der neuen Führungsspitze, weg von einem Wachstum allein aus Investitionen hin zu mehr Effizienz. Unternehmen sollen innovativer werden, und die Bürger sollen mehr konsumieren.

Davon wird seit Jahren gesprochen, doch Ökonomin Tan erkennt eine gegenteilige Entwicklung.So versuchen sich Staatliche Unternehmen zum Beispiel aus dem Stahlsektor als Investmentfirmen, um Profite zu erzielen, statt neue, hochwertige Produkte zu entwickeln.

Das Problem ist hausgemacht. In Chinas Vetternwirtschaft finden sich wenige Mutige, die bereit sind, auf eigene Gewinne zu verzichten. Stattdessen suchen sie nach alternativen Geschäftsmodellen, um die eigenen Bilanzen aufzupeppen, was wiederum satte Boni bedeuten kann.

Das Kalkül der Manager ist, dass sie gerade jetzt Gewinne mit Finanzgeschäften machen können, solange Geld auf dem Markt ist. Die Inflation war im Herbst nach monatelangen Höhenflügen unter die Zwei-Prozent-Marke gesunken und hatte die Regierung ermutigt, die Geldmenge zu erhöhen. Doch Analysten erwarten einen Anstieg der Inflation. Manche fürchten vier und fünf Prozent in den kommenden zwei Jahren. Tan Yaling will sich nicht festlegen, ist aber sicher: "Die Inflation wird 2013 eine große Sorge und eine große Herausforderung für China." Mittelfristig wird die Regierung den Geldhahn also wieder zudrehen müssen. Vielleicht ist das ein Ansporn für die Unternehmen, sich verstärkt den dringend erforderlichen Innovationen zu widmen.

Linktipp: Das Statistikamt hat erstmals seit 2005 veröffentlicht, wie es um die finanzielle Gerechtigkeit im Land bestellt ist. Seit Jahren gab es keine Daten zu diesem heißen Thema, weil das offiziell methodisch nicht möglich war. Gleichheit messen Statistiker mit dem Gini-Koeffizient - je höher, desto ungleicher ist der Reichtum verteilt. In China lag der Wert 2012 bei 0,474 - ab 0,4 gilt die Ungleichheit als gefährlich für den sozialen Frieden. Den chinesischen Statistikbericht hat Reuters hier analysiert.

© Süddeutsche.de/bbr/vs

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