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Preisentwicklung:Kluft auf Immobilienmarkt wird immer größer

Th¸ringen stâÄ°rkt EigenheimfËÜrderung f¸r Familien

Was eine eigene Immobilie kostet, hängt stark von ihrer Lage ab.

(Foto: dpa)
  • Ein neuer Bericht zeigt, wie stark sich die Immobilienpreise in Deutschland auseinander entwickeln. Dafür wurden etwa eine Million Kaufverträge ausgewertet.
  • In großen Städten steigen sowohl Kaufpreise als auch Mieten weiter, ein Ende des Booms ist nicht in Sicht.
  • Die Unterschiede zwischen zwei Regionen betragen bei den Quadratmeterpreisen teilweise Tausende Euro.

Auf dem deutschen Immobilienmarkt werden die Gegensätze immer größer. Wo es schon teuer ist, wird es noch teurer. Wo Bauland oder ein Eigenheim besonders wenig kostet, steigen die Preise gar nicht oder nur geringfügig. Dies ergibt sich aus dem wohl wichtigsten Bericht über den Immobilienmarkt in Deutschland, den die amtlichen Gutachterausschüsse in Berlin vorgelegt haben. Von 2009 bis 2018 erhöhten sich demnach die Preise für bestehende freistehende Eigenheime um jährlich 4,3 Prozent.

Bundesweit am höchsten waren sie dafür 2018 im Landkreis München mit 10 200 Euro je Quadratmeter, während man zum Beispiel im Kyffhäuserkreis in Thüringen im Durchschnitt nur 410 Euro je Quadratmeter zahlen musste. "Insbesondere in ohnehin teuren Lagen steigen die Preise stark an", sagte Anja Diers, Vorsitzende des Arbeitskreises der Oberen Gutachterausschüsse, die für ihren Bericht etwa eine Million Kaufverträge ausgewertet haben.

Insgesamt haben sich die Investitionen für den Kauf von Immobilien in Deutschland binnen zehn Jahren mehr als verdoppelt. 269 Milliarden Euro wurden ausgegeben, gut zwei Drittel entfielen auf den Wohnungsmarkt. Die wachsende Nachfrage nach Wohnungen treibt die Preise. Nach Angaben des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) hat Deutschland 83,1 Millionen Einwohner - das sind fast 2,7 Millionen mehr als noch 2011. Dieses Wachstum konzentriere sich vor allem auf die Großstädte mit ihrem Umland, sagte BBSR-Leiter Markus Eltges.

München ist nach wie vor die teuerste Stadt Deutschlands. Im Durchschnitt kostete dort eine gebrauchte Eigentumswohnung 7200 Euro je Quadratmeter. Auf Sylt sind es 6350 Euro je Quadratmeter. Am unteren Ende steht der Saale-Orla-Kreis in Thüringen mit 400 Euro je Quadratmeter. In vielen ländlichen Regionen ist die Nachfrage nach den eigenen vier Wänden sogar rückläufig. In Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen steht dem Bericht zufolge jede zehnte Wohnung leer.

In Thüringen 15 Euro, in München 2000 Euro je Quadratmeter

Wie groß der Graben auf dem Immobilienmarkt geworden ist, zeigen auch die unterschiedlichen Kosten für Baugrundstücke: Der im Mittel günstigste Bauplatz für ein Eigenheim war für 15 Euro je Quadratmeter im Kreis Sonneberg in Thüringen zu bekommen. In den sieben größten Städten (Berlin, München, Hamburg, Frankfurt am Main, Stuttgart, Köln und Düsseldorf) zogen die Preise hingegen an. In München kostete der Bauplatz fürs Eigenheim im Mittel 2000 Euro je Quadratmeter, im Landkreis München 1700 und in Berlin 400 Euro. In fünf der sieben Städte, vor allem in München und Hamburg, hätte sich aber der Anstieg der angebotenen Mieten verlangsamt, sagte BBSR-Chef Eltges. Von einer Trendwende wollte er jedoch nicht sprechen.

Eltges sieht vorerst kein Ende des Immobilienbooms. Die Nachfrage werde weiter wachsen. Die niedrigen Zinsen erhöhten die Bereitschaft, mehr Geld für Immobilien auszugeben. Auch lasse sich nicht erkennen, dass sich die Privathaushalte für eine Immobilie über die Maßen verschuldeten. Eltges sieht daher "noch keine Blasengefahr".

© SZ vom 18.12.2019/vd

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