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Immobilien:Neue Wohnungen - aber teuer

Im Münchner Gärtnerplatzviertel wurde das ehemalige Heizkraftwerk an der Müllerstraße zum Luxus-Wohnhaus "The Seven" umgebaut.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Deutschland baut, die Zinsen sind niedrig: Es entstehen immer mehr Wohnungen. Doch der Mieterbund ist trotzdem nicht zufrieden.

Im vergangenen Jahr sind in Deutschland erneut deutlich mehr Wohnungen genehmigt worden als im Jahr zuvor. Mit rund 270 400 Einheiten steigerte sich die Zahl das dritte Jahr in Folge, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Damit hält der Bauboom in Deutschland an - dank niedriger Zinsen.

Das Plus betrug 12,9 Prozent und wurde vor allem mit Wohnungen in Mehrfamilienhäusern erreicht, deren Zahl um 22,3 Prozent zulegte. In Einfamilienhäusern wuchs die Zahl der genehmigten Wohnungen hingegen nur geringfügig um 1,1 Prozent. Gut 30 000 neue Wohnungen wurden in bereits bestehenden Gebäuden genehmigt.

In Ballungsgebieten fehlen etwa 400 000 Wohnungen

Dem Deutschen Mieterbund fehlen aber weiterhin Investitionen in erschwingliche Wohnungen. Es werde vor allem im sehr hochwertigen Segment gebaut, was sich auch an dem hohen Anteil von Eigentumswohnungen zeige, sagte ein Mieterbund-Sprecher. Der an sich begrüßenswerte Neubau löse die Probleme von Normalverdienern oder gar einkommensschwachen Haushalten kaum. Der Mieterbund schätzt, dass pro Jahr nur etwa 20 000 mietpreisgebundene Wohnungen fertiggestellt würden. Notwendig sei aber mehr als das Doppelte. Insgesamt fehlten in den Ballungsräumen etwa 400 000 Wohnungen.

Die Bauindustrie hofft auf eine weiterhin positive Entwicklung im Wohnungsbau. Nach den jüngsten Zahlen des Verbandes der Bauindustrie war im Dezember der Auftragseingang in diesem Sektor deutlich um 13,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen. Im Gesamtjahr lag er 6,2 Prozent über dem Wert von 2012. "Wir brauchen die Wohnungen, die Nachfrage ist in den Ballungsgebieten schon wegen der Zuwanderung eindeutig da", sagte Heiko Stiepelmann, der Chefvolkswirt der Lobbygruppe. Der kräftige Zuwachs sei auch "bitter nötig", so Stiepelmann.

Im Krisenjahr 2008 waren in Deutschland so wenige Wohnungen fertig gestellt worden wie noch nie seit der Wiedervereinigung, erst seit 2010 lägen die Zahlen wieder "auf vernünftigem Niveau", sagte Stiepelmann. Er warnte davor, den Neubau preisgünstigen Wohnraums zu vernachlässigen. Die Länder müssten ihre Programme für den sozialen Wohnungsbau auf Vordermann bringen.

Der Meinung ist auch das Marktforschungsunternehmen Bulwiengesa, auf dessen Daten sich etwa die Bundesbank stützt. Einschätzungen der Firma zufolge reichen die Neubauten nicht aus. "Es wird immer noch zu wenig gebaut - vor allem in den attraktiven Groß- und Universitätsstädten", so der Experte André Adami. Berlin habe zum Beispiel in den vergangenen drei Jahren im Schnitt jeweils 40 000 Einwohner hinzugewonnen. Das entspreche etwa 20 000 Haushalten pro Jahr, während es aber nur gut 10 000 Genehmigungen für neue Wohnungen gegeben habe.

© dpa/afp/dgr/bbr
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