Makler:Charmanter Altbau, verkehrsgünstig gelegen

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Wolkige Sprüche bei der Immobilienvermittlung? Das durchschauen Interessenten sehr schnell.

(Foto: Sergey Nivens / Imago Images / Shotshop)

Früher haben Makler Verkaufsobjekte oft mit blumigen Floskeln beworben, heute gehen sie sachlicher vor. Was ist passiert?

Von Marianne Körber

Makler sind Zwischenhändler. Sie sorgen dafür, dass Verkäufer und Käufer von Wohnungen und Häusern zusammenkommen. Je besser die Objekte, desto zahlungswilliger die Kunden und desto höher der Verdienst. Kein Wunder also, dass viele Makler eine ausgesprochen positive Sichtweise entwickelt haben. Sie schaffen es, auch der dunkelsten Gruft etwas Lebendiges abzugewinnen - von wegen Kellerloch, hier ist Raum für Kreativität!

Makler beschönigen nicht, sie geben der Wahrheit nur eine schöne Farbe, meinte mal ein Insider. Doch in Zeiten des Immobilienbooms sind besondere Lobpreisungen nicht mehr nötig, selbst die hässlichste Unterkunft findet jetzt einen Liebhaber. Außerdem sind Kaufinteressierte längst in der Lage, die Maklersprache ins Realistische zu übersetzen. Jeder weiß inzwischen, was "verkehrsgünstig gelegen" bedeuten kann: Lärm und Abgase rund um die Uhr. Verbraucher haben dank immer wiederkehrender Floskeln gelernt, dass "charmante Altbauten" oft noch saniert werden müssen, dass "aufstrebende Viertel" so heißen, weil sie teuer geworden sind und dort viel gebaut wird. Verbraucher wissen auch, dass im "seriösen Umfeld" tagsüber fleißige Geschäftigkeit herrscht und abends tote Hose. Und dass der "Blick auf die Burg" nicht ungefährlich ist, wenn man sich dafür zu weit aus dem Fenster lehnen muss.

Ja, bis vor Kurzem gab es für Makler wirklich nur tolle Wohnungen und Häuser, mit "individuellen Grundrissen" oder einer "außergewöhnlichen Architektur". Schräge Wände und verwinkelte Räume? Wunderbar, um der Fantasie freien Lauf zu lassen. "Wohnungen für Handwerker"? Gut, wenn man ausreichendes Talent hat. Eine "Wohnung für Sportliche"? Liegt im vierten Stock ohne Aufzug und erspart das Fitnessstudio. Beim "Pärchen-Hit" passt kein normales Bett hinein, die "lichtdurchflutete" Dachwohnung ersetzt im Sommer den Saunagang. Kennt man alles, niemand liest Anzeigen mehr naiv.

Doch die Zeiten, in denen Exposés vor Superlativen nur so strotzten, scheinen vorbei zu sein. Makler und Bauträger beschränken sich meist auf Sachliches, die Anzahl der Räume, renoviert oder nicht, laut oder ruhig, Provision ja oder nein. Es ist wohltuend, wenn einfach informiert wird und man hinter der "angenehmen Nachbarschaft" nicht länger Tratschtanten vermuten muss. Oder doch? Wird immer noch etwas manipuliert?

Natürlich, Makler wollen schließlich Geld verdienen. "Entscheiden Sie sich schnell, das Interesse an diesem Objekt ist riesig" - solche Sätze machen Druck und beschleunigen den Ablauf der Geschäfte. Kennt man von Online-Händlern, "nur noch zwei Exemplare verfügbar". Manipulieren kann man auch, indem man Dinge erstmal nicht zur Sprache bringt, etwa, wann der Vorbesitzer denn ausziehen will. Profis haben das aber nicht nötig. In privaten Kleinanzeigen finden Superlative eh nicht statt. Da gibt es "schöne Wohnungen", ehrlicherweise ohne Balkon, nicht mal einen französischen. Und wenn da steht: "in ruhiger Lage an ebensolchen zu vermieten", dann ist das auch so gemeint, ruhig und friedlich soll der Mieter sein. Man muss nur noch die vielen Abkürzungen verstehen - Man, TB und CP. Man wie Mansarde, TB wie Tageslichtbad und CP wie Carport. Wieder eine Sprache zu lernen.

© SZ
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