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Axel Weber bei der UBS:Revolte der Aktionäre

Es soll der große Auftritt des früheren Bundesbankpräsidenten Axel Weber bei der Schweizer Großbank UBS werden: An diesem Donnerstag soll er zum Verwaltungsratspräsidenten gekührt werden. Doch auf der Hauptversammlung der Bank droht eine Revolte von Aktionären.

Wenn man Schweizer fragt, was ihnen an den Deutschen am meisten missfällt, dann erwähnen sie an erster Stelle deren Arroganz. So gesehen dürfte Axel Weber, der am Donnerstag zum Verwaltungsratspräsidenten der Schweizer Großbank UBS gewählt werden soll, genau dem Klischee des hässlichen Deutschen entsprechen. Denn der Ex-Bundesbanker machte stets mit kessen Sprüchen und einem kaum zu übertreffenden Selbstwertgefühl von sich reden. Umso erstaunlicher empfanden Schweizer Journalisten die wundersame Wandlung des Bankers bei dessen erstem Auftritt vor den Medien in Zürich. Zwei Stunden redete Weber, und damit doppelt so lange, wie eigentlich vorgesehen war: Bestimmt, selbstbewusst, kraftvoll sprach er über sich und seine Pläne.

Weber freilich steht erst am Anfang eines längeren Lernprozesses. Wenn der 55-Jährige gehofft hatte, dass ihn in Zürich ein ruhigerer Job erwartet, dann wird er sich rasch getäuscht sehen. Die seit Jahren von Krisen und Skandalen geschüttelte Bank mag zwar aus dem Gröbsten heraus sein; in ein ruhigeres Fahrwasser aber hat sie noch nicht gefunden.

Investmentgeschäft rettet das Ergebnis

Auf alle Fälle begrüßte der neue Arbeitgeber Weber einen Tag vor seiner Wahl mit einem recht durchwachsenen Ergebnis für das erste Quartal. Nur 827 Millionen Franken Gewinn wies das Geldhaus aus, noch weniger als die eine Milliarde, die von den ohnehin vorsichtigen Analysten prognostiziert worden waren. Und wieder einmal war es das ins Zwielicht geratene Investmentbanking, das rote Zahlen schrieb, derweil die einst als langweilig und altmodisch verschriene Vermögensverwaltung erneut mit einem Plus von 803 Millionen Franken maßgeblich zum Gewinn beitrug.

Wie sehr es unter der Oberfläche brodelt, könnte Weber schon auf der Generalversammlung erfahren. Wie die Financial Times erfahren haben will, sind mehrere Aktionäre entschlossen, Vorstand und Verwaltungsrat die Entlastung zu verweigern. Dabei handele es sich um die Aktionärsgruppe Ethos, den Vermögensverwalter F&C sowie die Aktionärsberater ISS und Hermes. Sie vertreten zwar nur eine Minderheit der Aktionäre, aber ihre Aktion könnte zumindest zu negativen Schlagzeilen führen. Ihr Protest richtet sich in erster Linie gegen die ihrer Meinung nach noch immer viel zu hohen Manager-Boni sowie gegen die angeblich zu laxe Risikokontrolle. Damit ist vor allem der Fall des Londoner UBS-Traders Kweku Adoboli gemeint, der im vergangenen August der Bank mit unsauberen Geschäften einen Milliardenverlust eingebrockt hatte. Die UBS hält aber an ihrer Darstellung fest, dass es sich hier um einen Einzelfall gehandelt habe.

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