Halbleiter:Bekommt Europa eine hochmoderne Chipfabrik?

Halbleiter: EU-Kommissar Thierry Breton (links) hat Infineon in München besucht und Konzernchef Reinhard Ploss getroffen.

EU-Kommissar Thierry Breton (links) hat Infineon in München besucht und Konzernchef Reinhard Ploss getroffen.

(Foto: Matthias Rüby)

Die EU-Kommission will in Europa neue Fabriken für modernste Chiptechnologie ansiedeln, aber die hiesige Halbleiter-Industrie hat Bedenken.

Von Caspar Busse

Reinhard Ploss, Vorstandvorsitzender von Infineon, und Thierry Breton, EU-Kommissar für Binnenmarkt, sind sich bei der Analyse der aktuellen Lage auf den Halbleitermärkten einig. Aber über die Konsequenzen, die man daraus ziehen sollte, sind die beiden unterschiedlicher Meinung. "Europa fällt in der Hableiterindustrie schon lange zurück, wir dürfen das nicht akzeptieren", sagte Ploss anlässlich eines Besuchs von Breton in München. "Wie die jüngsten Engpässe gezeigt haben, müssen wir sicherstellen, dass wir in der Lage sind, die Chips herzustellen, die von unseren Industrien, zum Beispiel in der Automobilbranche, benötigt werden", sagte Breton. Ebenso wichtig sei es, die Zukunft vorzubereiten und die Versorgungssicherheit bei den modernsten Halbleitern sicherzustellen.

Hintergrund ist die weltweite Chipkrise. Angesichts sehr hoher Nachfrage nach Halbleitern und reduzierter Produktionskapazität besteht weltweit Knappheit von Chips, viele Autobauern müssen deshalb bereits ihre Produktion drosseln. EU und Bundesregierung wollen die Halbleiterproduktion, die in den vergangenen Jahrzehnten vor allem nach Asien abgewandert war, teilweise wieder nach Europa zurückholen. Die EU müsse bis Ende des Jahrzehnts ihre Kapazitäten auf 20 Prozent des Weltmarkts verdoppeln, so Breton. Ploss begrüßt die EU-Initiative grundsätzlich.

Doch in welche Technologien soll investiert werden? Breton setzt sich für die neueste Zwei-Nanometer-Technologie ein, die gerade entwickelt wird und vor allem in Mobiltelefonen oder Computern gebraucht wird. Eine solche Fabrik in Europa für Chips mit superkleinen Strukturen könnte viele Milliarden Euro kosten. Breton ist überzeugt, dass man auf die neuste Technologie setzen müsse. "Wir brauchen eine Vision", sagte der Franzose. Es werde bald einen großen Markt dafür geben und man müsse darauf vorbereitet sein.

Ploss dagegen bezweifelt, ob eine Fabrik mit der neuesten Technologie sinnvoll sei. Die Abnehmer dieser ultrakleinen Chips säßen gar nicht in Europa, die hiesige Industrie brauche andere Technologien. Der Infineon-Chef betonte, Industriepolitik solle sich auf die traditionellen Stärken Europas konzentrieren, bevor man neue Themen erschließe. Infineon fertigt derzeit wie die europäischen Konkurrenten STMicro und NXP Halbleiter mit deutlich größeren Strukturen, meist mit 20 Nanometern und darüber. Die Münchner betreiben bereits Werke in Dresden, Regensburg oder im österreichischen Villach und sind weltweit größter Halbleiterlieferant für die Autoindustrie.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB