Griechische Reederfamilien "Dann gehen die eben nach Liberia oder Panama"

Auch Schick gibt in seinem Positionspapier zu, dass man der mobilen Flotten nie ganz Herr werden könne: Auch mit einer EU-Steuer bliebe "eine Verlegung außerhalb der EU ohne größeren Aufwand möglich". Alexander Kritikos, der für das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung die griechische Wirtschaft analysiert, sagt: "Dann gehen die eben nach Liberia oder Panama."

Selbst wenn Gewinne höher besteuert würden, bliebe immer noch das Problem, dass vermögende Griechen ihr persönliches Einkommen nur zum Teil versteuern. Kritikos: "Viele Selbständige weisen bemerkenswert niedrige Einkünfte aus."

Wo ist das Geld? Wohl angelegt in Londoner und Berliner Immobilien, ein großer Teil liegt in der Schweiz. Der Journalist Kostas Vaxevanis veröffentlichte im Oktober die "Lagarde-Liste", auf der die Namen von 2000 Griechen stehen, die dorthin mutmaßlich Geld vor griechischen Steuerbehörden in Sicherheit gebracht hatten. Das Papier soll ein Bankmitarbeiter französischen Behörden und IWF-Chefin Christine Lagarde zugespielt haben. Die griechische Regierung war schon 2010 im Besitz der Liste, Konsequenzen hatte das aber keine - außer für Vaxevanis, der wegen Verletzung des Datenschutzes angeklagt (und freigesprochen) wurde. Die Berufe, welche die vermögenden Kontoinhaber angegeben haben, verraten einiges: Nur 24 "Schiffsbesitzer" stehen auf der Liste - dafür 187 "Hausfrauen".

Griechenland will neun Milliarden aus der Schweiz zurückholen

Zwischen 2009 und 2011 flossen mehr als 20 Milliarden Euro aus Griechenland in die Schweiz. Insgesamt dürften dort Hunderte Millionen griechischen Geldes liegen. Der Schwabe Schick klagt: "Wir reden hier nicht von Kleckerlesbeträgen." Mit einem Steuerabkommen sollen bis zu neun Milliarden wieder ins Land fließen.

Zwischen 21 und 41 Prozent sollen die Steuerflüchtlinge auf ihr Geld in der Schweiz zahlen, dafür bleiben sie aber anonym. Das Abkommen soll also funktionieren wie das zwischen Deutschland und dem Steuerparadies geplante. Doch beide Staaten verhandeln seit zwei Jahren, einen Vertrag gibt es nicht. Schick fordert auch hier eine europäische Lösung: "Die Schweiz verhandelt mit jedem Staat einzeln - divide et impera. Das stärkt ihre Stellung in jeder Verhandlung." Wenn die EU gemeinsam Druck mache, könne ein Abkommen Griechenlands Einnahmen erhöhen.

Der klamme Staat ist also auf das Wohlwollen der Reeder angewiesen. Einige beteiligen sich am Kampf gegen die Krise mit privaten Initiativen. Die Stavros-Niarchos-Stiftung hat Hilfsorganisationen 100 Millionen Euro zugesagt. Bei anderen steht es weniger gut um die Solidarität mit ihrem verarmenden Land. Reportern, die sich auf Mittelmeerinseln oder in Genf unter die feiernde griechische Oberschicht mischten, hörten von den Oligarchen nur: Ihrem korrupten, unfähigen Staat wollten sie kein Geld geben.

Ihren Schatz bringen die Reeder also erst einmal nicht nach Hause zurück - da ist das Vorbild weniger Jason, sondern eher ein anderer mythischer Seemann: Odysseus kam ein Jahrzehnt nicht in die Heimat, wo er sehnlichst erwartet wurde.

Berühmte griechische Reeder-Familien

Die Milliarden von Onassis, Niarchos & Co.