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Geldinstitute:Banken erhöhen in großem Stil Gebühren

Capital controls in Greece

Besonders beliebt sind bei vielen Banken Preiserhöhungen bei Girokonten, Überweisungen und Kreditkarten. Abhebungen bleiben jedoch bislang kostenlos.

(Foto: dpa)
  • Vielen Banken machen die Niedrigzinsen zu schaffen. Sie suchen deshalb nach neuen Einnahmequellen.
  • Besonders beliebt sind bei vielen Instituten derzeit Preiserhöhungen bei Girokonten, Überweisungen und Kreditkarten.
  • Das Verbraucherschutzministerium warnt schon jetzt vor "mehr oder weniger versteckten Kostenfallen".

Von Harald Freiberger und Meike Schreiber

Die Gratis-Zeiten sind vorbei. "Irgendwo müssen die Banken ihr Geld verdienen", sagt Horst Kessel, Vorstandsmitglied des Genossenschaftsverbandes und stimmt damit die Kunden auf höhere Gebühren ein.

Millionen Menschen in Deutschland haben in den vergangenen Wochen und Monaten die Nachricht von ihrem Geldinstitut schon bekommen: Banken und Sparkassen erhöhen gerade im großen Stil die Gebühren. "Der Trend hat sich beschleunigt", sagt Rüdiger Filbry, Banken-Experte der Beratungsgesellschaft Boston Consulting Group. Gerade viele Sparkassen und Genossenschaftsbanken hätten die Preise in den vergangenen sechs Monaten angehoben. Aber auch Hypo-Vereinsbank und Commerzbank haben es vor Kurzem getan, die Postbank hat es angekündigt.

Alles wird teurer, egal ob Grundgebühr für das Girokonto, Jahresgebühr für die Kreditkarte oder Gebühr für die einzelne Überweisung. Das Prinzip: Was früher nichts kostete, kostet jetzt etwas, was schon etwas kostete, kostet jetzt mehr.

Die Banken haben schon immer gern im Sommer Gebühren erhöht

Es gibt einen Grund, warum sich die Erhöhungen gerade häufen: Im September tritt in Deutschland ein neues Gesetz in Kraft, das Banken zu mehr Transparenz verpflichtet. Ein Teil davon ist, dass der Wechsel des Girokontos für Kunden künftig einfacher ist. Die Banken müssen einen nahtlosen Übergang sicherstellen, etwa bei Daueraufträgen oder Lastschriften. "Die künftig größere Transparenz ist wohl auch ein Grund dafür, dass Banken jetzt noch Preise erhöhen", sagt Frank-Christian Pauli, Finanzexperte des Verbraucherzentrale Bundesverbands. "Das ist wie Torschlusspanik." Zudem haben Banken die Gebühren immer schon gerne im Sommer umgestellt. Dann sind die Leute im Urlaub und haben wenig Zeit und Lust, sich mit den Erhöhungen auseinanderzusetzen.

Der Hauptgrund aber ist, dass den Banken andere Einnahmemöglichkeiten weggebrochen sind, vor allem wegen der niedrigen Zinsen. "Es herrscht ein wahnsinniger Ergebnisdruck", sagt Berater Filbry. Die Banken müssten sich neu erfinden. In den Instituten werde ständig überlegt, was man noch tun könne, für welche Produkte die Kunden noch bereit seien zu zahlen. Denn die Negativzinsen, die Banken inzwischen bei der Europäischen Zentralbank für Einlagen zahlen müssen, können sie kaum an Privatkunden weitergeben; die würden zur Konkurrenz wechseln.

Eine Rechnung zeigt, wie ernst die Lage ist: Bis vor anderthalb Jahren war alles in Ordnung, die Zinsspanne auf Einlagen in Milliardenhöhe auf den Girokonten lag bei rund einem Prozent. An einem Kunden, der im Durchschnitt 2000 Euro Guthaben auf dem Girokonto hatte, verdiente die Bank so zusätzlich 20 Euro im Jahr. "Das ist komplett weggefallen", sagt Filbry. Er erwartet nicht, dass sich die Zinsen in den kommenden fünf Jahren deutlich erhöhen.

Der Niedrigzins lässt Einnahmequellen versiegen

Also müssen die Banken nach neuen Einnahmen suchen. Ihrer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Eine Reihe von Instituten nimmt inzwischen Geld für Dienstleistungen, die bisher selbstverständlich und gratis waren. Zum Beispiel für das Ausdrucken von Kontoauszügen im Schaltervorraum. 27 von 145 Sparkassen oder Volks- und Raiffeisenbanken verlangen dafür Geld, weist das Vergleichsportal Finanzberatung-FMH aus. Die Stadtsparkasse München etwa nimmt 2,50 Euro, die Sparkasse Kulmbach-Kronach zwei Euro. Kostenlos ist nur noch das Ausdrucken am eigenen Computer.

Dasselbe gilt für die Überweisung per Formular. Bei vielen Instituten kostet es zwei bis drei Euro, die Netbank, eine Onlinebank, berechnet sogar zehn Euro. Relativ neu ist auch, dass immer mehr Geldhäuser eine Gebühr für die Maestro-Karte verlangen, die früher EC-Karte hieß. Bei der Volksbank Mainz und der Spardabank Hannover sind es zwölf Euro im Jahr.

Kreditkarten-Gebühren steigen, selbst Girokonten werden teurer

Am beliebtesten aber ist die Erhöhung der Gebühr für die Kreditkarte. Das zeigt eine Tabelle der Finanzberatung-FMH (fmh.de/giro): 19 von 61 regelmäßig erfassten Instituten hoben demnach in den vergangenen zwölf Monaten die Preise an, die meisten drastisch. Bei der Hypo-Vereinsbank stieg die Jahresgebühr von 20 auf 30 Euro, bei der Targobank von 30 auf 39 Euro. "Die Kreditkarten-Gebühr wird besonders gern erhöht, weil sie nur einmal im Jahr fällig wird, dadurch fällt es weniger auf als bei der monatlichen Gebühr für das Girokonto", sagt Max Herbst, der Gründer des Portals.

Einige Banken haben aber auch die Grundgebühr für das Girokonto angehoben. Die Hypo-Vereinsbank verlangte für ihr Aktiv-Konto und ihr Plus-Konto bisher nichts, künftig kosten sie 2,90 und 7,90 Euro pro Monat, der Preis für das Exklusiv-Konto steigt von 7,90 auf 14,90 Euro.

19 Banken

oder Sparkassen in Deutschland haben in den vergangenen zwölf Monaten die Jahresgebühr für die Kreditkarte erhöht. Das ist fast jedes dritte von 61 Instituten, die das Vergleichsportal Finanzberatung-FMH regelmäßig erfasst. Sechs dieser 61 Geldhäuser verteuerten außerdem die Gebühren für die Kontoführung, sieben führten eine Jahresgebühr für die Maestro-Karte (EC-Karte) ein, weitere sieben erhöhten den Preis für die Überweisung per Formular. Eine andere Statistik von FMH zeigt: Allein im Juni nahmen 17 von 145 erfassten Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken mehr Geld für Kontoführung, Kreditkarte, Überweisung per Formular oder Kontoauszugdrucker.

Gebührenstrukturen werden immer unübersichtlicher

Generell geht der Trend dahin, dass Banken gleich die gesamte Gebührenstruktur ändern. Typisch ist ein dreigliedriges Modell: Es gibt ein Girokonto mit niedrigen Gebühren, das einem Online-Konto nahekommt; Leistungen wie Schecks, Überweisungen per Formular oder Kontoauszüge kosten dabei extra. Bei einem zweiten Modell sind die Gebühren hoch, dafür einzelne Leistungen kostenlos. Das dritte Modell liegt irgendwo dazwischen. Die Banken verkaufen die Änderung gern als Verbesserung für die Kunden. Doch dass es billiger wird, kommt praktisch nicht vor. "Unterm Strich läuft es auf eine Preiserhöhung hinaus", sagt Berater Filbry.

Zudem wird es unübersichtlicher. "Indem die Banken die Modelle und Entgelte wild mischen, machen sie sich auch schwerer vergleichbar", sagt Verbraucherschützer Pauli. Als die Stadtsparkasse München im Frühjahr mit einem neuen dreiteiligen Gebührenmodell herauskam, waren viele Kunden verwirrt, was es für sie bedeutet. Sogar Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) schaltete sich ein, der dem Verwaltungsrat vorsitzt. Die Sparkasse musste einen Höchstbetrag für die Summe von Einzelgebühren pro Monat einführen, weil sonst gerade Rentner oder ärmere Kunden benachteiligt werden könnten. "Wenn ein Kunde für alles und jedes einzeln bezahlen muss, kann es am Ende sehr teuer werden", sagt Pauli.

Die Sparkassen geben der EZB die Schuld an ihrer Lage

Die Banken hoffen darauf, dass die Kunden die höheren Gebühren hinnehmen. Doch auf deren Trägheit zu setzen, könnte gefährlich werden. In Deutschland gibt es sehr viel mehr Institute als in vielen anderen Ländern. Es herrscht ein harter Wettbewerb. Auch wenn die Mehrzahl der Institute die Gebühren erhöht, gibt es immer noch genügend Geldhäuser, die am kostenlosen Girokonto festhalten. Das gilt gerade für Onlinebanken, die herkömmlichen Instituten schon viele Kunden weggenommen haben. Seit zwei, drei Jahren buhlen zudem kostengünstige Finanz-Start-ups mit Digitalkonten um Kundschaft.

Die Banken, das sagen viele Experten, sollten ihre Ertragsprobleme daher nicht allein auf die Kunden abwälzen. In dieser Disziplin bemühen sich die Häuser zwar seit Jahren, zumal seit der Finanzkrise die neuen Regeln für Banken viel mehr Geld kosten als früher. Aber nach wie vor schleppen viele Häuser hohe Kosten mit sich herum. Kein Wunder, dass allen voran die Sparkassen gerne der EZB und ihrer Nullzinspolitik die Schuld geben. Doch diese bringt ihnen auch Vorteile: So sind etwa die Kreditausfälle in Deutschland auf historisch niedrigem Niveau. Außerdem verdienen die Institute gut an der starken Nachfrage nach Immobilienkrediten.

"Viele Banken wissen, dass sie ihre Geschäftsmodelle ändern müssen, nicht nur wegen des Zinsumfelds sondern auch wegen technischer Veränderungen und verändertem Kundenverhalten", heißt es dazu von der EZB. Die Politik mahnt zu Transparenz: "Jede Bank und jedes Kreditinstitut muss ein Interesse daran haben, seine Kunden zu binden und nicht zu verschrecken", sagt Gerd Billen, Staatssekretär im Verbraucherschutzministerium. Mehr oder weniger versteckte Kostenfallen schadeten am Ende nur der Bank, denn der Kunde werde sich im Zweifel günstigere Alternativen suchen.

Die Verbraucherzentralen sind schon dabei, die Gebührenerhöhungen zu prüfen. "Nicht alle Entgelte sind gesetzlich zulässig", sagt Verbraucherschützer Pauli. Für Leistungen, die in ihrem eigenen Interesse sind oder zu ihren Pflichten gehören, dürfen Banken nichts verlangen, entschied der Bundesgerichtshof mehrmals. Ein Kontoauszug etwa gehört zur Rechenschaftspflicht einer Bank; der Zugriff darauf müsse gewährleistet sein. "Wir werden uns die Erhöhungen genau ansehen und gegebenenfalls klagen", sagt Pauli.

© SZ vom 06.08.2016/vit
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