Studie von Finanzwende:Anleger haben bei Öko-Investments Milliarden verloren

Brand einer Windkraftanlage in Neuenkirchen

Ein brennendes Windrad. Viele Anleger haben bei Investments in Windparks bereits viel Geld verloren.

(Foto: Feuerwehr Neuenkirchen/dpa)

Grüne Geldanlagen locken mit Gewinnen und gutem Gewissen. Aber eine neue Studie zeigt: Es handelt sich um einen Markt mit hohem Verlustrisiko.

Von Markus Zydra, Frankfurt

Immer mehr Anleger möchten ihr Geld in den Klimaschutz investieren. Viele Anbieter von Finanzprodukten versprechen das Geld nachhaltig anzulegen, doch viel zu oft werden die Versprechen enttäuscht: Investitionen in "Gutes" müssen noch lange nicht gut ausgehen. Mitunter droht der Totalverlust. Die Denkfabrik Finanzwende, die sich für eine Reform der Finanzmärkte einsetzt, hat in einer Studie erstmals Zahlen für die größten Flops bei den als "öko" vermarkteten Investments zusammenstellen lassen. Demnach haben Anleger schätzungsweise knapp zwei Milliarden Euro innerhalb der vergangenen zehn Jahre verloren. In der Auswertung, die der SZ vorliegt, nennt Finanzwende unter anderen den Windkraftinvestor Prokon. Hier verloren 75 ooo Anleger insgesamt rund 600 Millionen Euro. Bei UDI, ein Finanzierer von Windparks, Biogasanlagen und Solarparks, belief sich der Schaden auf 150 Millionen Euro und bei Windreich, ein auf Windkraftanlagen spezialisiertes Unternehmen, auf rund 100 Millionen Euro, so die Untersuchung.

Finanzwende hat in die Liste auch Anbieter aufgenommen, bei denen Verluste in den nächsten Jahren wahrscheinlich seien, etwa weil es bereits zu ersten Zahlungsausfällen kam. "Mindestens zwei Milliarden Euro Verluste auf dem grauen Kapitalmarkt allein mit Öko-Investments - diese Zahl ist frappierend. Zu viele Anbieter nutzen das ökologische Bewusstsein von Anlegerinnen und Anlegern perfide aus", sagt Magdalena Senn, Referentin für nachhaltige Finanzmärkte bei Finanzwende. Diese Anbieter würden hochriskante und oftmals unseriöse Investments mit ökologischen Versprechen verkaufen.

Berater stecken in einem Interessenskonflikt

Für den grauen Kapitalmarkt gelten weniger strikte Regeln als bei klassischen Publikumsfonds. Die Anlageprodukte sind als riskante Direktinvestments, Unternehmensbeteiligungen, Nachrangdarlehen oder Genussrechte strukturiert. Beim Vertrieb dieser Anlagen fließen zum Teil sehr hohe Provisionen. Berater stecken deshalb in einem Interessenkonflikt. Sie verdienen nur Geld, wenn sie das Produkt verkaufen, nicht aber, wenn sie einem verunsicherten Kunden die Unterschrift richtigerweise ausreden würden. Die Bundesregierung hat die Regeln für den grauen Kapitalmarkt zuletzt im Vermögensanlagengesetz verschärft, erstmals nun auch für so genannte Blindpools. Bei solchen Beteiligungsmodellen, die zum Beispiel Immobilien, Windparks oder Medienprojekte finanzieren, investieren Anleger Geld, ohne zu wissen, in welches Objekt ihr Geld fließt. Viele Anleger hatten mit diesen undurchsichtigen Modellen herbe Verluste erlitten. Das ist nun verboten, Anlageobjekte müssen in den Verkaufsprospekten konkret benannt werden und einen nachweisbaren Realisierungsgrad haben.

"Private Investitionen sind für den nachhaltigen Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft unerlässlich", sagt Finanzwende-Expertin Senn. "Investment-Flops mit grünem Mäntelchen zerstören Vertrauen. Wir brauchen starke Regeln, die Verbraucher schützen und nachhaltige Investments auf eine stabile Grundlage stellen."

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB