Folgen der Schlecker-Insolvenz:Wirbel um Firmenpatriarchen Anton Schlecker

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Verdi-Chef Frank Bsirske kündigte dagegen an, mit den SPD-geführten Ländern auszuloten, ob auf Länder-Ebene doch noch Transfergesellschaften möglich wären. Mit der Bundesregierung und den Ländern mit FDP-Regierungsbeteiligung sei dieser Weg aber nicht mehr zu gehen. Angesichts der wachsenden Beschäftigung im Handel in den letzten Jahren gebe es durchaus Chancen für viele Betroffene auf Vermittlung, auch wenn das in strukturschwachen Regionen schwieriger sei.

Von der Leyen ermuntert Schlecker-Verkaeuferinnen zur Umschulung

"Die Frauen haben Lebenserfahrung, die Qualifikationen, die händeringend gesucht werden", betonte von der Leyen.

(Foto: dapd)

Da bei Erziehern und Altenpflegern eine "ausgesprochene Mangelsituation" herrsche, biete sich für die ehemaligen Schlecker-Mitarbeiter in diesem Bereich eine Qualifizierung an, sagte Bsirske. Dies könne sowohl für die Betroffenen als auch "für die Gesellschaft insgesamt" eine Chance sein, sagte Bsirske und fügte hinzu: "Wir wollen das Beste aus dieser dramatischen Situation machen."

Von den bislang gekündigten 11.190 Schlecker-Beschäftigten im Rahmen der ersten Entlassungswelle haben nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit inzwischen rund 5000 eine neue Stelle gefunden oder sind in Qualifizierungs- und Fördermaßnahmen untergekommen. Dies sei ein positives Signal, sagte Weise. Bsirske verwies allerdings darauf, dass es im Einzelhandel derzeit rund 360.000 Arbeitssuchende bei gerade 25.000 offenen Stellen gebe.

Unklarheiten bei Immobilien-Deal des Firmenpatriarchen

Was die Forderung nach einer Transfergesellschaft zur zeitlich begrenzten Abfederung entlassener Schlecker-Mitarbeiterinnen angeht, ist dieses Modell laut Bsirske an der FDP endgültig gescheitert. Dennoch wolle Verdi mit den SPD-Ländern noch einmal über die Bildung länderspezifischer Transfergesellschaften sprechen. Wenn sich zudem Berichte bewahrheiteten, dass Firmengründer Anton Schlecker vor der Insolvenzanmeldung wertvolle Immobilien an seine Kinder verkauft habe, so müssten auf diese Vermögensgegenstände zurückgegriffen werden, um Teillösungen für Schlecker-Filialen zu ermöglichen.

Unterdessen gibt es neue Spekulationen über das Verhalten des Firmenpatriarchen Anton Schlecker kurz vor dem Insolvenzverfahren. Der Chef der Drogeriemarktkette soll seinen Kindern kurz vor Anmeldung der Insolvenz eine wertvolle Immobilie verkauft haben. Wie die Bild-Zeitung berichtet, soll es sich dabei um das österreichische Zentrallager in Pöchlarn handeln.

Laut Kaufvertrag habe Firmenchef Anton Schlecker das 25.000 Quadratmeter große Logistik-Zentrum am 17. Januar 2012, nur sechs Tage vor der Insolvenz, seinen Kindern Meike und Lars Schlecker für 2,5 Millionen Euro verkauft. Die Immobilie sei deshalb nicht in die Insolvenzmasse gekommen. Pöchlarns Bürgermeister Bergner sagte dem Blatt: "Wenn die Immobilie so verwendet wird wie bisher, hat sie einen wesentlich höheren Wert."

Brisant: Anton Schlecker unterzeichnete den Vertrag dem Bericht zufolge erst am 29. Februar - 37 Tage nach dem Insolvenzantrag. Ein Sprecher des Insolvenzverwalters kündigte der Zeitung an, diese Vorgänge zu prüfen.

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