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Folgen der Finanzkrise:Die Fusionswelle ebbt ab

Die Finanzkrise bremst das Geschäft mit Firmenverkäufen im Mittelstand - denn viele Banken schrecken wegen des Risikos vor Übernahmefinanzierungen zurück.

Peter Löw liegt auf der Lauer. Zwei bis sechs Unternehmen wolle er mit seiner neuen Beteiligungsfirma BluO noch in diesem Jahr übernehmen, kündigte der Ex-Chef des Finanzinvestors Arques kürzlich an. So kaufwütig wie Löw ist derzeit allerdings kaum ein Finanzinvestor. Jahrelang hatten sie den Markt für Firmenkäufe dominiert, auch im deutschen Mittelstand.

Mit seiner Kaufwut steht Peter Löw alleine da. Die meisten Finanzinvestoren machen um mittelständische Unternehmen einen großen Bogen.

(Foto: Foto: ddp)

Doch die Kreditkrise hat die Beteiligungsfirmen ausgebremst. Fusionsexperten erwarten, dass jetzt strategische Käufer, also Unternehmen, den Markt für Fusionen und Übernahmen (genannt M&A, kurz für Mergers & Acquisitions) dominieren werden.

"Finanzinvestoren sehe ich jetzt und auch 2009 praktisch nicht mehr als Käufer", sagt Michael Keller, Teilhaber von Klein & Coll., einer auf kleine und mittlere Unternehmen spezialisierten M&A-Beratung.

Vor allem deshalb werden im deutschen Mittelstand derzeit viel weniger Firmen verkauft als im vergangenen Jahr. Nach Angaben des Datenanbieters Thomson Reuters wurden in den ersten neun Monaten dieses Jahres 952 deutsche Firmen mit einem Preis von bis zu 500 Millionen Euro veräußert. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 1347. Der Gesamtwert der verkauften Firmen halbierte sich sogar auf 11,4 Milliarden Euro.

Zähe Kreditvergabe

Schuld ist die Finanzkrise. "Die Banken sind wie paralysiert", sagt Michael Drill, Deutschlandchef der Investmentbank Lincoln. Bis zum Sommer 2007 hatten Banken Kredite, die sie für Übernahmen vergaben, problemlos an Investoren weitergereicht. Entsprechend spendabel waren sie bei der Finanzierung.

Seit der Markt für Kredite weggebrochen ist, hat sich das Bild grundlegend gewandelt: "Für Übernahmen nördlich von 500 Millionen Euro ist derzeit kein Finanzierungsmarkt vorhanden", sagt Wolfgang Kazmierowski, Geschäftsführer in Deutschland bei der britischen M&A-Beratung Close Brothers.

Selbst wenn eine Firma nur 100 oder 200 Millionen Euro koste, müsse man mehrere Banken zusammentrommeln und für den Fall vorsorgen, dass ein Kreditinstitut sich aus dem Konsortium zurückzieht. "Es gibt Banken, die bereits jetzt keine Übernahmefinanzierungen für dieses Jahr mehr ausgeben, weil sie keine Risiken mehr eingehen wollen", sagt Kazmierowski.

Besonders hart trifft das Finanzinvestoren. Bis zum Sommer 2007 finanzierten sie ihre Zukäufe bis zu 80 Prozent aus Fremdmitteln. "Finanzinvestoren müssen heute ihre Übernahmen mit wesentlich mehr Eigenkapital finanzieren", sagt Drill. Die Quote liege meist bei mehr als 50 Prozent. Weil viele Investoren Probleme haben, erobern Firmen den Markt für Übernahmen nach und nach zurück. "Bei unseren Kunden waren in diesem Jahr 90 Prozent aller Käufer Unternehmen, die Übernahmen aus bestehenden Kreditlinien oder dem Kassenbestand bezahlen konnten", sagt Keller.

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