Flugverkehr Easyjet startet im Januar

Eine Easyjet-Maschine vor der Landung in Genf: Die britische Fluglinie will demnächst in Deutschland Lufthansa Konkurrenz machen.

(Foto: Fabrice Coffrini/AFP)

Bislang hebt Easyjet in Berlin nur vom Flughafen Schönefeld ab. Nach dem Kauf von Teilen der insolventen Air Berlin will die Billigairline nun von 2018 an Flüge ab Berlin-Tegel anbieten. Gewinne werde die Akquisition aber erst ab dem Jahr 2019 abwerfen.

Von Caspar Busse, Björn Finke, London/München

Im Januar geht es los: Dann sollen die ersten Easyjet-Maschinen am Berliner Flughafen Tegel abheben. Die britische Billigfluggesellschaft kauft für 40 Millionen Euro Teile des insolventen Rivalen Air Berlin. Zu dem Paket gehören Jets und Landerechte an dem Berliner Flughafen. "Wir sind dann die führende Kurzstrecken-Airline in Schönefeld und Tegel", sagte Easyjet-Chefin Carolyn McCall in London.

Bislang ist Easyjet nur in Schönefeld. Welche Ziele von welchem Berliner Flughafen angesteuert werden, ließ das Unternehmen offen. Geplant ist wohl, dass die Billigairline künftig auch innerdeutsche Strecken bedient. Seit Air Berlin Ende Oktober den Betrieb eingestellt hat und viele der Maschinen bis zur endgültigen Genehmigung des Teilverkaufs von Air Berlin durch die EU-Kommission am Boden sind, ist Lufthansa mit ihrer Tochter Eurowings auf innerdeutschen Strecken der einzige Anbieter. Dazu gehören viel frequentierte Verbindungen wie Berlin-München, Berlin-Köln oder München-Hamburg.

Die Maschinen auf innerdeutschen Flügen sind derzeit voll, die Preise hoch. Das liegt auch an dem knapperen Angebot bei etwa gleichbleibender Nachfrage. Dadurch sind gerade die günstigeren Buchungsklassen in den Reservierungssystemen schnell ausgebucht. Wenn die Plätze in den Flugzeugen knapper werden, steigen die Preise, das ist die Systematik im Luftverkehr. Zudem weichen derzeit viele Kunden etwa auf die Deutsche Bahn aus, die zuletzt mehr Buchungen registrierte. Mit Easyjet gäbe es wieder Konkurrenz.

Im laufenden Jahr werde die Übernahme von Teilen Air Berlins zunächst die Gewinne belasten, warnte Easyjet. Der Kaufpreis für die 25 Flugzeuge mit bis zu 1000 Beschäftigten sowie die Kosten für das Umrüsten der Jets, für die Umstellung des Flugbetriebs und die Ausbildung des Personals summieren sich demzufolge auf 100 Millionen Pfund. Außerdem würden Auslastung und Erträge in Tegel anfangs zum relativ kurzfristigen Start der Verbindungen vergleichsweise gering sein. Doch von 2019 an werde sich der Kauf auszahlen, sagte McCall. Das Geschäft soll im Dezember abgeschlossen sein. Das Unternehmen hofft, von der Pleite der Rivalen zu profitieren. Neben Air Berlin traf es Alitalia und den britischen Billiganbieter Monarch.

McCall verlässt die börsennotierte Fluggesellschaft zum Jahresende, um dann den britischen Privatfernsehsender ITV zu führen. Die 56-Jährige hätte sich sicher bessere Bilanzzahlen zum Abschied gewünscht: Im Geschäftsjahr bis Ende September fiel der Gewinn um fast ein Drittel auf 305 Millionen Pfund. Immerhin stieg der Umsatz um acht Prozent auf fünf Milliarden Pfund. Ein Grund für den Rückgang beim Gewinn ist die Abwertung des Pfund seit dem EU-Referendum. Treibstoff wird in Dollar gehandelt, weswegen die Gesellschaft, die am Londoner Flughafen Luton sitzt, mehr für das Kerosin zahlen muss.

Nachfolger von McCall an der Firmenspitze wird der langjährige Tui-Manager Johan Lundgren. Man solle gehen, wenn es am schönsten sei, sagte McCall.

Die Managerin, die für ihre Verdienste um die Luftfahrt geehrt wurde, hat Easyjet seit 2010 geführt. In ihrer Amtszeit verdreifachte sich der Aktienkurs. Dabei hatte die Britin vor ihrem Start bei Easyjet keine Erfahrung in der Branche, zuvor hatte sie den Verlag der Zeitung Guardian geleitet. Ihr Nachfolger Lundgren verbrachte dagegen seine gesamte Karriere in der Touristikbranche und war zuletzt zwölf Jahre lang bei Tui.