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Finanzen:Auf 2,1 Milliarden Dollar beziffert "Forbes" sein Privatvermögen

Die Sache ist nur: In den Archiven findet sich nichts über den Apax-Deal - ebenso wenig wie in den Geschäftsberichten der malaysischen Bank, bei der niemand für eine Stellungnahme zu erreichen war. Auch im Online-Handelsregister taucht keine "Apax Group" auf. Und im elektronischen Bundesanzeiger stößt man lediglich auf die Bilanz einer gewissen Apax Technology aus dem Jahr 2007. Vorsitzender des Aufsichtsrats: Michael Gastauer. Die Firma kam damals allerdings gerade mal auf ein Eigenkapital von gut 200 000 Euro, erlitt zudem einen Jahresfehlbetrag von fast 800 000 Euro. Auch hier bietet sich ein Vergleich an: Easycash, eine der führenden deutschen Payment-Firmen, wurde 2009 für lediglich 290 Millionen Euro an den heutigen Eigentümer, die französische Ingenico, verkauft. Das Ratinger Unternehmen erzielte damals ein operatives Ergebnis von 20 Millionen Euro.

Erfahrene Branchenmanager wundern sich angesichts der dürren Faktenlage über die Apax-Story: "Ich bin seit Ewigkeiten im Payment-Bereich unterwegs", sagt Jochen Siegert, ein früherer Topmanager von Mastercard. Eine "Apax Group" allerdings sei ihm "in all den Jahren nie über den Weg gelaufen". Immerhin: Bei "Companies House", dem britischen Pendant zum Handelsregister, findet sich dann doch noch eine Firma namens Apax Global Payment & Technologies Limited. Das Unternehmen weist personelle Überschneidungen zur deutschen Apax Technology auf. Allerdings wurde die englische Gesellschaft mittlerweile aufgelöst.

Sucht man im Schweizer Handelsregister nach einem Michael Gastauer, stößt man unterdessen auf eine völlig andere Firma - die G&S Vermögensverwaltung GmbH. Hier firmierte möglicherweise der gleiche Gastauer Anfang der 2000er Jahre als einer der Geschäftsführer. Nun mag man argumentieren, dass es sich auch um einen anderen Michael Gastauer handeln könnte. Da es bei der G&S jedoch noch eine weitere namentliche Übereinstimmung zu deutschen Gastauer-Gesellschaften gibt, wäre dies sehr unwahrscheinlich. Sicher ist: Die Geschichte des Unternehmens endete unrühmlich. Die G&S Vermögensverwaltung meldete 2004 Konkurs an.

Plötzliche Scheu vor der Presse

Trotzdem tauchte die Firma sechs Jahre später, also 2010, noch einmal in der Neuen Zürcher Zeitung auf. Dort hieß es, der ehemalige Geschäftsführer der G&S, ein "36-jähriger Deutscher", sei wegen Anlagebetrugs zu 18 Monaten "bedingt verurteilt" worden. Ob es sich bei diesem Geschäftsführer um Gastauer handelte, ist nicht zu klären. Ende vergangener Woche hielt WB21 im Berliner Hotel Adlon eine Pressekonferenz für einige wenige ausgewählte Medien ab. Teilnehmern zufolge wurden Erdnüsse gereicht - und Gastauer sprach ein paar staatstragende Sätze zum Brexit, der zur Folge habe, dass WB21 sein Londoner Büro nach Berlin verlegen werde. Er schaffte es mit dieser Aussage in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Die Süddeutsche Zeitung versuchte daraufhin am vergangenen Wochenende via LinkedIn Kontakt zu Gastauer aufzunehmen. Er nahm die Anfrage an, ließ die nachfolgende Bitte zu telefonieren allerdings unbeantwortet.

Die plötzliche Pressescheu mag damit zu tun haben, dass sich zu diesem Zeitpunkt bereits der Finanzblog FT Alphaville, ein Ableger der britischen Financial Times, mit einigen kritischen Fragen an Gastauer gewandt hatte. Auch dort waren einem Redakteur einige Seltsamkeiten aufgefallen. Zum Beispiel, dass WB21 zwar öffentlich behaupte, eine "digitale Bank" zu sein, aus den AGB allerdings explizit hervorgehe, dass "WB21 keine Bank ist", wie er in dem Blog schrieb.

Die SZ konfrontierte Gastauer schließlich mit konkreten Fragen zu den Zahlen von WB21, den Statistiken von Similarweb, dem angeblichen Verkauf der "Apax Group" und den Geschehnissen rund um die G&S Vermögensverwaltung. Der Bitte, bis Mittwoch zu antworten, kam er nicht nach. Stattdessen erreichte die Redaktion das Schreiben von Gastauers Medienmanager, der ein Telefoninterview anbot: Man könne mit Gastauer unter anderem über die 200 Arbeitsplätze reden, die WB21 in Berlin schaffen wolle. Ein paar Stunden später galt das Gesprächsangebot dann aber plötzlich nicht mehr. Und auch auf die ihm nochmals zugeschickten Fragen kam keine Antwort.

Auf der offiziellen Konferenzseite der Finanzmesse Money 20/20 wird der Mann mit der "umfangreichen unternehmerischen Erfahrung" dennoch weiterhin als Redner geführt. Man darf gespannt sein, was er in Las Vegas, der Stadt des Glücksspiels, zu erzählen hat.

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