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Fernbus:Fast-Monopolist Flixbus dominiert jetzt die Straße

Busbahnhof Frankfurt

Eine Fernreise für 15 Euro - Züge können da schwer mithalten.

(Foto: dpa)

Die Deutsche Bahn zieht sich aus dem Fernbusgeschäft zurück. Nun fürchten die Kunden um ihre Vorteile - und die Bahn um ihre Zugpassagiere.

Von Jochen Temsch

Einer der bekanntesten Songs der Rockband ZZ Top heißt "Waiting for the Bus". Er handelt von einem armen Mann, der mit dem Bus nach Hause möchte - vergeblich. Los geht der Song mit den Worten: "Habt Mitleid!" Es wäre aktuell der passende Soundtrack zur Beschallung von Wartehäuschen und Busbahnhöfen, denn nach dem angekündigten Ausstieg der Deutschen Bahn aus dem Fernbusgeschäft sind die Befürchtungen der 20 Millionen Kunden groß: War's das jetzt mit dem Traum vom bezahlbaren Ticket für eine angenehme Fahrt quer durchs Land?

Tatsache ist, dass nun ein Anbieter als Fast-Monopolist die Straßen dominiert: Flixbus, mit einem Marktanteil von mehr als 90 Prozent. Das Unternehmen mit einem potenten Investor im Rücken hat nach und nach seine Konkurrenten geschluckt. Nun gelten Preissteigerungen als wahrscheinlich. Verkehrsminister Alexander Dobrindt rechnet damit genauso wie Verbraucherschützer, der Fahrgastverband Pro Bahn und Die Linke im Bundestag - die einzige Fraktion, die im Jahr 2013 gegen die Liberalisierung des Fernbusmarktes gestimmt hatte.

Flixbus und sein letzter Konkurrent

Damals wurde das Personenbeförderungsgesetz aus dem Jahr 1934 geändert, das einst die Reichsbahn vor Konkurrenz schützen sollte. Als Folge der Lockerungen drängten immer mehr Anbieter auf den boomenden Markt, darunter Ableger riesiger Konzerne mit Milliardenumsatz wie die Deutsche Post und der schottische Verkehrsgigant Stagecoach.

Bei so viel Finanzkraft ist es erstaunlich, dass der Straßenkampf nun bereits entschieden zu sein scheint. "Kein Experte hätte gedacht, dass sich der Markt so schnell konsolidiert", sagt Christian Janisch, der Geschäftsführer von Deinbus.de. Das Unternehmen war der erste Fernbusanbieter in Deutschland, überstand eine Insolvenz und ist heute der letzte übrig gebliebene Konkurrent für Flixbus - mit etwa drei Prozent Marktanteil.

Die Passagiere freuten sich über die teils absurden Kampfpreise: Fahrten von München nach Berlin gab es zeitweise für einen Euro - die Kosten der Anbieter deckte das freilich nicht. Das touristische Fachblatt fvw schrieb von "Harakiri", Bahn-Chef Rüdiger Grube nannte es einen "Blödsinn", den er nun nicht mehr mitmacht. Dabei hat die Bahn selbst den Ansturm auf die Fernbusse unfreiwillig mit befördert. Hohe Preise, schlechter Service, mangelnder Komfort vergraulten viele Fahrgäste. Spätestens im Chaos, das die Bahnstreiks im vergangenen Jahr anrichteten, entdeckten die Deutschen die Vorzüge der Konkurrenz auf der Straße.

Dazu zählt mehr als nur die Kostenersparnis. Wer bei einer Busreise immer noch an beengte Schulausflüge oder spießige Kaffeefahrten denkt, hat sicher noch keinen der modernen Busse betreten. Beinfreiheit, freundliches Personal, Gratis-Wlan, Böden aus Holzimitat, Snack- und Kaffeeautomaten - es gibt Unangenehmeres.

Wenn man mit Treibhausgasen statt mit Feinstaub rechnet, ist ein ausgelasteter Fernbus sogar umweltfreundlicher als ein Zug. Solche Details werden sich Reisende in Zukunft ganz genau anschauen. Denn jetzt heißt es: Flixbus gegen Deutsche Bahn.

© SZ vom 17.09.2016/lkr

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