Familienunternehmen:Unterschiede im Risikoverhalten

Lesezeit: 4 min

Ob sich die größere Risikoaversion generell für die Familienunternehmen in Form höherer Gewinne auszahlt, war nicht Gegenstand dieser Untersuchung. In der Frage verweisen die Autoren auf andere Analysen, die börsennotierten Familienkonzernen sehr wohl eine größere Ertragsstärke bescheinigen, vor allem wenn der Gründer noch aktiv in der operativen Führung ist.

Die Datengrundlage der CEFS-Studie deutet aber darauf hin, dass die Risikoscheu zumindest Einfluss auf die Unternehmensgröße hat. Die Bilanzsumme der Familienkonzerne lag im Durchschnitt bei 1,1 Milliarden Euro, die Umsatzerlöse bei 1,3 Milliarden Euro und die Mitarbeiterzahl bei 6600.

Die familienunabhängigen Konzerne weisen im Schnitt eine Bilanzsumme von 9,7 Milliarden Euro aus, Umsätze von 6,7 Milliarden Euro und 26.000 Mitarbeiter aus. Nicht börsennotierte Familienunternehmen kamen wegen der laut Achleitner "erheblichen Transparenzmängel" zwar für die Studie nicht in Frage. Wegen der gesetzlichen Veröffentlichungspflichten liefern im Prime Standard notierte Konzerne die weitaus solidere Datenbasis. "Aber die Vermutung liegt nahe, dass nicht-notierte genauso agieren wie börsennotierte Familienfirmen", sagt Schmid.

Eines hat die Studie auch gezeigt: Es lohnt sich, was selbst in wissenschaftlichen Untersuchungen selten geschieht, zwischen Firmen zu unterscheiden, bei denen die Familie "nur" Gesellschafter ist wie etwa bei Vossloh oder Henkel und solchen, in denen Familienmitglieder auch in Aufsichtsrat und eventuell sogar im Vorstand sitzen wie beim Autovermieter Sixt der Vorstandschef Erich Sixt oder bei IDS Scheer August-Wilhelm Scheer, Großaktionär und Aufsichtsratsvorsitzender in einer Person.

Der Unterschied macht sich im Risikoverhalten bemerkbar: "Familien, die sich auf die Rolle des Gesellschafters beschränken, neigen zu einer größeren inhaltlichen Diversifikation, um ihre Risiken abzusichern. Sitzt die Familie auch im operativen Management, streuen sie ihre Geschäfte weniger", sagt Ampenberger.

Eigentum führt zu Risikoaversion

Grundsätzlich führt Eigentum zu Risikoaversion, sagt der Wissenschaftler, weil ein Großteil des Vermögens in der Firma steckt und damit auch das private Wohlergehen stark vom Erfolg des Unternehmens abhängt. Wenn aber ein Gesellschafter im operativen Management sitzt, sei das Konfliktpotential zwischen Eigentümern und Management geringer.

Achleitner hat noch einen weiteren Grund für die geringere Diversifikation ausgemacht: das verwandte Humankapital. Wenn wichtige Posten mit Familienmitgliedern besetzt werden, sei die Neigung größer, dem Kerngeschäft treu zu bleiben und keine Ausflüge in unbekanntes Terrain zu wagen.

Einer weiteren Frage gingen die Autoren auf den Grund: Welche Rolle spielen Hedging-Instrumente zur Absicherung von Währungsrisiken? Das Ergebnis: Börsennotierte Familienunternehmen nutzen sie weniger als Konzerne mit breitem Anteilsbesitz. "Das liegt auch daran, dass alle Derivate häufig in einen Topf geworfen werden", sagt Achleitner. "Viele sehen darin Instrumente grenzenloser Spekulation. Derivate gelten als Teufelszeug, in der Finanzkrise mehr denn je."

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema