Euro-Krise:IWF-Chefin Lagarde fordert mehr Zeit für Griechenland

"Es wären zwei weitere Jahre notwendig, damit das Land tatsächlich die Haushaltskonsolidierung bewältigen kann, die angedacht ist": IWF-Chefin Christine Lagarde plädiert dafür, Krisenländern wie Griechenland und Spanien mehr Zeit zu geben. Die Ratingagentur S&P rechnet allerdings mit Problemen bei der Durchsetzung der Reformen - und stuft die Bonität Spaniens um zwei Stufen ab.

Christine Lagarde, die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), hat die Euro-Staaten zur schnellen Lösung der Schuldenkrise aufgefordert. Sie lobte auf der Jahrestagung von IWF und Weltbank in Tokio zwar die jüngsten Maßnahmen der Europäischen Zentralbank und der europäischen Regierungen, mahnte aber: "Es muss mehr und schneller geschehen."

Rund um den Globus hindere eine Unsicherheit über die wirtschaftliche Entwicklung die Entscheider daran, zu investieren und Arbeitsplätze zu schaffen. Gefragt seien jetzt "mutige und kooperative Handlungen". Der IWF hatte im jüngsten Wirtschaftsausblick seine globale Wachstumprognose wegen der "allgemeinen Unsicherheit" nach unten korrigiert, besonders deutlich auch für Europa und Deutschland.

Lagarde versicherte, dass der Währungsfonds weiter mit Nachdruck an der Rettung Griechenlands arbeite. Die in das Land entsandten IWF-Mitarbeiter versuchten unermüdlich, die Differenzen zwischen den internationalen Geldgebern und dem krisengeschüttelten Euro-Land aufzulösen. Diskussionspunkte seien unter anderem das Tempo beim Defizitabbau und bei den Strukturreformen.

In diesem Zusammenhang plädierte Lagarde für mehr Geduld: "Es wären zwei weitere Jahre notwendig, damit das Land tatsächlich die Haushaltskonsolidierung bewältigen kann, die angedacht ist", sagte die IWF-Chefin. Auch für andere Krisenländer wie etwa Portugal und Spanien gelte, dass es manchmal besser sei, mehr Zeit zu erhalten.

Standard and Poor's stuft Spanien herab

Unterdessen hat die Ratingagentur Standard & Poor's die Kreditwürdigkeit Spaniens um zwei Stufen herabgesetzt. Die Bonität des Landes werde nun mit BBB- bewertet, teilte die Agentur mit. Zur Begründung wurden zunehmende wirtschaftliche und politische Herausforderungen in Spanien genannt. "Die sich vertiefende Rezession begrenzt die Politikmöglichkeiten der spanischen Regierung", erklärte S&P.

Spanien, die viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone, kämpft seit geraumer Zeit mit massiven wirtschaftlichen Problemen, die Arbeitslosenquote beträgt fast 25 Prozent. Für die Rettung der spanischen Banken haben die internationalen Geldgeber bereits bis zu 100 Milliarden Euro zugesagt.

Die Bonitätswächter rechnen nach eigenen Angaben mit zunehmenden sozialen Spannungen im Land sowie mit wachsenden Dissonanzen zwischen der Zentralregierung in Madrid und den Regionen. Deshalb beließen sie den Ausblick für Spanien auf "negativ". Das bedeutet, dass in den kommenden Monaten einen weitere Abstufung droht, wenn die politische Unterstützung für die eingeleiteten Reformen schwinden und sich die Hilfe der Euro-Zone als unzureichend erweisen sollte.

Eine neuerliche Herabstufung auf das Niveau BB+ würde bedeuten, dass die Anleihen dann nur noch als hochspekulative Anlage gesehen werden dürften. Börsianer sprechen darum von Junk-Bonds, also Ramschanleihen. Die Sorge ist, dass mit der Herabsetzung an den Finanzmärkten eine Kettenreaktion in Gang gesetzt wird, da Großanleger wie Fonds oder Pensionskassen spanische Anleihen dann kaum mehr kaufen dürften. Die Zinsen, die Spanien Anlegern zahlen müsste, würden weiter steigen - das könnte das Land am Ende vollends in den Ruin treiben.

Nach der Herabstufung Spaniens hat der Euro am Donnerstag im fernöstlichen Handel schwächer tendiert. Die europäische Gemeinschaftswährung fiel auf 1,2830 Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit etwa zwei Wochen.

Entscheidend für die weitere Entwicklung des Euro-Kurses dürfte nach Einschätzung von Händlern sein, ob und wann Spanien einen Antrag auf Hilfen aus dem dauerhaften Euro-Rettungsschirm stellen wird. Im Falle eines Antrags wäre der Weg für die Europäische Zentralbank frei, spanische Anleihen zu kaufen und damit die Refinanzierungskosten des Landes zu drücken.

© Reuters/AFP/fzg/gba
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