Auskunftei:Schwedischer Investor will bei der Schufa einsteigen

Schufa

Die Schufa ist vielen Deutschen bis heute ein Mysterium.

(Foto: Jens Kalaene/dpa)

EQT möchte Anteile an der Auskunftei kaufen. Der Deal ist noch nicht besiegelt, aber er bekommt Unterstützung von ungewohnter Seite.

Von Nils Wischmeyer, Köln

Der Investor EQT will offenbar bis zu zehn Prozent an der deutschen Auskunftei Schufa übernehmen. Die Schweden würden demnach rund zehn Prozent der Anteile für eine Bewertung von insgesamt zwei Milliarden Euro übernehmen wollen. Langfristig will der schwedische Investor sogar noch wesentlich mehr Anteile von den bisherigen Aktionären übernehmen und die Schufa tendenziell sogar komplett neu ausrichten.

Das kann zum Politikum werden. Die Schufa ist immerhin Deutschlands größte Auskunftei. Offiziell hat sie Daten über 67 Millionen Deutsche und ist in viele Entscheidungen des täglichen Lebens involviert. Ob eine Verbraucherin oder ein Verbraucher einen Kredit erhält oder sich für eine Handyvertrag oder eine Mietwohnung qualifiziert, entscheidet sie über ihren Score maßgeblich mit. Dieser zeigt an, ob jemand ausreichend Bonität besitzt und ist vielen Deutschen bis heute ein Mysterium. Über die genaue Zusammensetzung schweigt die Schufa und ein höchstrichterliches Urteil erlaubt ihr, die Formel geheim zu halten.

Sie hat extrem viele Daten über die Deutschen

Anders als oftmals gedacht, ist die Schufa keine Behörde, sondern ein Unternehmen wie die Telekom, Adidas oder Volkswagen. Der Unterschied: Sie hat extrem viele Daten über die Deutschen und damit Macht im Alltag. Der Investor EQT, der auch an den deutschen Firmen BBS Automation oder Ottobock beteiligt ist, will künftig mehr Anteile kaufen und die Schufa auch grundlegend umbauen, wie das Handelsblatt zuerst berichtete.

Gelaufen ist der Deal aber noch nicht. Denn die Struktur der Schufa ist kompliziert - und damit auch die Frage, wer welche Anteile wann wo verkaufen oder kaufen darf. Erwerben würde EQT die rund zehn Prozent gerne von der Société Générale, einer der wichtigsten französischen Geschäftsbanken. In der Regel muss die Bank nun auf die Schufa zugehen und bekunden, dass sie ihre Anteile gerne verkaufen würde. Dann haben erst einmal die anderen Aktionäre ein Vorkaufsrecht, in diesem Fall also unter anderem die Deutsche Bank und auch die Sparkassen. Erst wenn diese einen Zukauf ablehnen, wäre ein Deal für die französische Bank und den schwedischen Investor in greifbarer Nähe.

Dass es von Seiten der Aktionäre große Widerstände gibt, ist aktuell unwahrscheinlich. Bereits in der Vergangenheit hatten einige Institute damit geliebäugelt, ihre Anteile an der Auskunftei Schufa zu verkaufen. Sollte EQT auf lange Sicht einen größeren Teil der Schufa besitzen, wird es aus Sicht der Sicht der Datenschützer interessant. Sollte der Investor mehr Einfluss in der Schufa geltend machen und sie durch mehr Datennutzung auf Gewinn trimmen, könnte das schwierig werden.

Sollte EQT hingegen den erhöhten Einfluss allerdings nutzen, um mehr Transparenz und sogar Datenschutz durchzusetzen, könnte das die Schufa tatsächlich zum Guten verändern, glaubt Datenschutzexperte Thilo Weichert. Er beobachtet das Gebaren der Auskunftei seit vielen Jahren und dabei fiel ihm auch die bisher eher passive Rolle der sonstigen Anteilseigner auf. "Wenn ein Investor sich aktiver darum kümmert, dort einzugreifen und auf mehr Verbraucherschutz pocht, wäre das nicht verkehrt", so Weichert.

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