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Energiewende:Guter Ruf, schlechter Lauf

Windräder und Stromleitung

Für die Enwergiewende reicht es nicht, so viele Solar- und Windkraftwerke wie möglich zu bauen. Sie müssen Teil eines Systems sein.

(Foto: dpa)

Wer eine Klimakatastrophe verhindern will, braucht die Energiewende. Doch die kommt in Deutschland nicht voran. Der Wettlauf der Interessen konzentriert sich darauf, minimale Lasten zu tragen, aber maximal zu profitieren. Dabei gibt es längst Ideen für ein intelligentes System.

Was die Zukunft seines Landes angeht, beweist Chinas Staatschef Xi Jinping, zumindest verbal, beachtliche Weitsicht. Modernisieren, so hat er am Rande seines Deutschland-Besuchs gesagt, lasse sich die Volksrepublik ganz gewiss nicht auf dem bisherigen Weg der Industrienationen. China müsse den "Weg der Nachhaltigkeit" einschlagen, mit Deutschland als natürlichem Partner. Zum Beispiel in der Umwelt- und Energietechnologie.

Zu genau hat Xi hoffentlich nicht hingeschaut bei seinem Besuch. Am Ende wäre ihm noch aufgegangen, dass das wichtigste Modernisierungsprojekt hierzulande, die Energiewende, alles andere als reibungslos vonstattengeht. Die Industrie jammert über hohe Belastungen, Ministerpräsidenten verwerfen Stromleitungen, Bürger wehren sich gegen Windparks. Die Energiewende hat zwar allgemein noch immer einen guten Ruf, aber keinen guten Lauf.

Schon strebt sie ihrem nächsten Tiefpunkt entgegen, einem Treffen der Ministerpräsidenten mit Kanzlerin Angela Merkel und Energieminister Sigmar Gabriel diesen Dienstag. Es geht um die Reform des Ökostrom-Gesetzes. Die Schlachtordnung ist in groben Zügen abgesteckt: Der Norden wird mehr Förderung für Windräder verlangen. Der Süden macht sich für Biomasse stark und will Subventionen für fossile Kraftwerke. Länder mit viel Industrie fordern weiterhin Privilegien für Unternehmen, die ihren eigenen Strom erzeugen. Aber angeblich stehen alle Ministerpräsidenten hinter der Energiewende. Sie reden sie nur kaputt.

Maximale Erträge bei minimalen Lasten

Deutschland, so heißt es noch im Koalitionsvertrag, solle "zu einem der modernsten Energiestandorte der Welt" werden. Doch derzeit wird die Welt eher Zeuge eines Wettlaufs der Interessen, in dem Bundesländer maximale Erträge bei minimalen Lasten davontragen wollen, während die Industrie gerne massiv sinkende Großhandelspreise für Strom mitnimmt, die Kosten der Wende aber nach Kräften auf die privaten Haushalte abwälzt. So wird das angebliche "Gemeinschaftswerk" zusehends zum Gegenstand individueller Optimierung derjenigen, die sich am lautesten bemerkbar machen.

Wenn aber die Energiewende so endet, wird sie schwerlich als Vorbild für Modernisierer in aller Welt taugen können, sie wird auch im eigenen Land keine Freunde mehr finden. Es wäre das tragische Ende eines großen Projekts - das doch gerade neue Legitimation erfährt durch den jüngsten Bericht des Weltklimarats. Wer den "Weg der Nachhaltigkeit" einschlagen, wer ökonomisches Wachstum nicht zum Preis einer Klimakatastrophe sichern will, der kommt um einen Umbau der Energieversorgung nicht herum.

Soll der in Deutschland gelingen, müssen auch Bund und Länder die Energieversorgung endlich als das betrachten, was sie ist: als System. Der Umbau besteht eben nicht in erster Linie daraus, möglichst schnell möglichst viele Ökostrom-Anlagen zu errichten, sondern braucht genauso eine intelligente Verknüpfung von Angebot und Bedarf. Das könnte etwa bedeuten, die Schwankungen der Strompreise - Letztere sind besonders niedrig, wenn viel Ökostrom erzeugt wird - über variable Stromtarife an Kunden weiterzugeben. Mit entsprechenden Zählern und Geräten könnten sie Stromschlucker wie Wäschetrockner immer dann laufen lassen, wenn Elektrizität besonders günstig ist. Umgekehrt ließen sich Firmen systematisch dafür entlohnen, dass sie Strom zu bestimmten Zeiten gerade nicht abnehmen - sondern stattdessen etwa auf Speicher zurückgreifen.

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