bedeckt München 31°

Energiewende:Das hat die Regierung zu Erdkabeln beschlossen

Erdkabel

So sehen Erdkabel aus (während einer Verlegung in Göttingen).

(Foto: picture alliance / dpa)

Wo die neuen Stromtrassen verlaufen sollen - und wie viel Kunden dafür zahlen müssen.

Von Michael Bauchmüller

Es ist nur ein verstecktes E, das den großen Unterschied macht. Seit diesem Mittwoch findet es sich in der letzten Spalte einer Tabelle, die unter Bürokraten "Bundesbedarfsplan" heißt. Das Bundeskabinett hat es am Mittwoch so beschlossen. Für Tausende Bürger bedeutet es möglicherweise eine massive Entlastung - die neuen Leitungen in ihrer Umgebung sollen künftig nur noch in Ausnahmefällen oberirdisch an Masten geführt werden. Denn das E steht für Erdkabel.

Um welche Leitungen geht es?

Viermal findet sich das E im neuen Bundesbedarfsplan. So sollen alle Leitungen nach Bayern zum Großteil unter die Erde wandern, außerdem eine, die von Emden ins nordrhein-westfälische Osterath führt. Vor allem die Leitungen nach Bayern hatten massiven Widerstand genährt, namentlich die beiden "SuedLink"-Trassen aus dem hohen Norden und die "Südost-Passage", die Strom aus Sachsen-Anhalt nach Bayern transportieren soll. Sie wird auch nicht mehr nach Augsburg, sondern nach Landshut führen, wo das Akw Isar steht. Eine Freileitung an Masten soll nur noch "in Teilabschnitten ausnahmsweise" in Betracht kommen.

Bisher war es umgekehrt.

Wozu überhaupt die Leitungen?

In den nächsten Jahren drohen massive Engpässe beim Stromtransport von Nord nach Süd. Während im Norden die Windkraft floriert, gehen im Süden schrittweise die letzten Atomkraftwerke vom Netz. Dadurch wächst dort der Bedarf. Doch zuletzt hatten Proteste in den betroffenen Gemeinden vielerorts den Netzausbau verzögert.

Geht es mit Erdkabeln schneller?

Nur bedingt. Die zuständigen Netzbetreiber, die Firmen Tennet, Amprion, 50 Hertz und Transnet BW, müssen nun große Teile ihrer bisherigen Planung umschmeißen. Fast drei Jahre habe man dadurch verloren, klagt etwa Tennet-Chef Lex Hartman. Auch gibt es derzeit noch nicht genügend Lieferanten für die vielen Erdkabel. Bund und Betreiber setzen aber darauf, dass unterirdische Stromleitungen auf weniger Proteste stoßen als überirdische. Allerdings ist die Freude nicht ungeteilt. Während Bürger nun zumindest der Anblick der Leitungen erspart bleibt, sind Landwirte skeptisch. Sie befürchten Einbußen auf betroffenen Flächen. Und noch ist nicht klar, ob und wie sie kompensiert werden.

Wann werden die Leitungen fertig?

Nach bisheriger Planung sollten die wichtigen Nord-Süd-Leitungen spätestens 2022 fertig sein - also dann, wenn hierzulande das letzte Atomkraftwerk abgeschaltet wird. Derzeit ist aber fraglich, ob dieser Zeitrahmen zu halten ist.

Was passiert in der Zwischenzeit?

Solange die Leitungen fehlen, müssen Kraftwerke die Lücke ausgleichen. Weil sich der Strom nur umständlich verteilen lässt, müssen sie einspringen, wenn sich irgendwo Lücken auftun, weil etwa nicht genug Strom von Nord nach Süd fließen kann. Dafür zuständig sind die Netzbetreiber, die diesen sogenannten Redispatch ordern müssen. Allein zwischen 2010 und 2013 hat sich die Dauer solcher Eingriffe nach Angaben der Bundesnetzagentur verfünffacht. Die Betreiber der Kraftwerke werden dafür gesondert entlohnt, zu zahlen haben die Stromkunden. In den vergangenen Jahren sind die Kosten dafür massiv angestiegen, schon bald könnten sie bei einer Milliarde Euro im Jahr liegen. 2010 waren das noch 48 Millionen Euro. "Der Netzausbau ist gesamtwirtschaftlich betrachtet die günstigste aller Varianten", heißt es deshalb im Wirtschaftsministerium - schon um solche Kosten zu vermeiden.

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite