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Energie:Strom-Rabatte für Firmen kosten Verbraucher mehr als eine Milliarde Euro

Jahresendpaket NRW - Wirtschaft Ruhrgebiet

Die Stahlindustrie gehört zu den Nutznießern der vergünstigten Strompreise.

(Foto: Oliver Berg/dpa)
  • Mehr als eine Milliarde Euro müssen die Strom-Endkunden 2017 zahlen, um Rabatte für Unternehmen zu kompensieren.
  • Die Subvention wurde eingeführt, weil nach dem Unglück in Fukushima I steigende Strompreis erwartet wurden. Stattdessen sanken die Börsenpreise.

Rabatte für die deutsche Industrie bei den Strom-Netzentgelten kosten die Verbraucher weitere Milliarden. Im kommenden Jahr müssen die sogenannten Letztverbraucher 1,115 Milliarden Euro zusätzlich tragen, um Subventionen für die stromintensiven Betriebe zu zahlen, die von einem Teil der Netzentgelte befreit werden. Das geht aus einer Mitteilung der Übertragungsnetzbetreiber hervor.

Seit 2012 haben diese Subventionen die Verbraucher etwa 4,5 Milliarden Euro gekostet. Die Grünen fordern den Wegfall der Milliarden-Hilfe. Die Umlage ist seit Jahren umstritten. Von ihr profitieren große Stromabnehmer aus der Stahl- oder Aluminiumindustrie - aber auch Schlachthöfe, Discounter, Fast-Food-Filialen, Rechenzentren, Banken, Versicherungen, Krankenhäuser, Großbäckereien, Kühlhäuser oder die Deutsche Börse.

Die entgangenen Erlöse werden als Aufschlag auf die Netzentgelte umgelegt. 2017 steigt die Umlage von 0,378 auf 0,388 Cent pro Kilowattstunde. Im Jahr 2015 waren 4433 Unternehmen von Teilen der Netzentgelte befreit, wie aus einer Antwort der Bundesregierung an die Grünen-Abgeordnete Bärbel Höhn hervorgeht.

Eingeführt wurde die Befreiung 2011 nach dem Atomausstieg, weil mit steigenden Strompreisen gerechnet wurde. Weil der Strompreis an der Börse seitdem jedoch gesunken ist, fordert Höhn eine Abschaffung der Subvention. Sie müssten komplett gestrichen werden, sagt sie.

Derzeit erhielten jedoch jedes Jahr zusätzliche Unternehmen die Unterstützung, "weil über kreative Prozesse die Voraussetzungen für die Befreiung" erreicht würden. Gerichte hätten die Umlage schon zweimal für unrechtmäßig erklärt. Doch durch nachträgliche Änderungen sei die Subventionierung erhalten worden.

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